Ulama: Das älteste Ballspiel der Welt als religiöses Ritual in Mexiko
Ulama: Ältestes Ballspiel der Welt in Mexiko

In den Ruinen von Cuicuilco im Süden Mexiko-Stadts versammeln sich an einem sonnigen Sonntagvormittag Familien. Während Kinder auf dem Rasen spielen, tritt ein Mann im Lederrock zwischen den Pyramiden hervor und bläst eine tiefe Note durch ein Muschelhorn – der Anpfiff für ein uraltes Spiel.

Es ist das mesoamerikanische „juego de pelota“, das nach Schätzungen als ältester organisierter Ballsport der Welt gilt. Von den Olmeken über die Mayas bis zu den Azteken haben fast alle prähispanischen Völker Mexikos es in irgendeiner Form gespielt. Parallel zur Fußball-WM findet nun eine moderne Vorführung in Cuicuilco statt, einem archäologischen Ort mit bis zu dreitausend Jahre alten Ruinen.

Ulama – Eine moderne Version des alten Spiels

„Das hier ist Ulama, eine moderne Version des Spiels, das einst gespielt wurde“, erklärt Alan Zuñiga Lazcano, Kapitän der Universitätsmannschaft „Tezca Texocelotzin“, der die Vorführung leitet. Die genauen Regeln des alten Spiels sind aus heutiger Sicht schwer durchschaubar und variierten je nach Ära und Kultur. Im Kern soll Ulama jedoch der Version ähneln, die die Mexica (Azteken) vor fünfhundert Jahren spielten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der Ball besteht aus Naturgummi und wiegt etwa ein Kilogramm. Gespielt wird er ausschließlich mit der Hüfte oder dem Oberschenkel – selbst wenn er auf dem Boden rollt. Die Spieler tragen Röcke und Gürtel aus Leder, um sich vor dem harten Steinboden zu schützen. Das Spiel funktioniert wie eine Mischung aus Fußball und Volleyball, wobei es nicht unbedingt darauf ankommt, den Gegner zu überspielen, sondern den Ball in Bewegung zu halten. Wer den Ball versehentlich aufhält, verliert den Punkt.

Spirituelle Bedeutung und kosmische Symbolik

Der Ball soll „das ständige Äquilibrium und die unerschütterliche Bewegung des Universums“ widerspiegeln, so Lazcano. „Es ist eine Darstellung der Bewegung des Kosmos, die den Ball fließen lässt – und ebenso das Leben und den Tod.“ Die tiefe Verwurzelung des Spiels in prähispanischen Kosmologien zeigt sich in der Eröffnungszeremonie: Die Spieler bitten in der indigenen Nahuatl-Sprache um Erlaubnis, spielen zu dürfen. Die Mannschaften tragen Namen aztekischer Götter wie Quetzalcoatl, und am Spielfeldrand wird über „Krieger der Mexica“ gesungen. Jede Partie beginnt mit den Worten: „Das ist das Spiel vom Leben und Tod – hier wird gewonnen und verloren.“

Gleichzeitig ist Ulama auch Alltag. Kinder von nahegelegenen Schulen spielen das Ballspiel einmal wöchentlich als Teil ihres Sport- und Tanzunterrichts. In den Pausen verteilen Eltern Orangenstücke. Die Vorführung findet im Rahmen der „Mundial Social“ statt, einer kulturellen Initiative der Regierung zur Fußball-WM.

Kulturelles Erbe und Zukunftsperspektiven

Brandon Yañez, Architekturstudent und Spieler, setzt sich für den Bau weiterer Spielstätten ein. „Das heute ist eine gute Gelegenheit für Menschen aus anderen Ländern, um etwas zu sehen, was für unsere Kultur sehr wichtig ist, aber am Ende geht das weit über die Fußball-WM hinaus“, sagt er. „Dieses Ballspiel ist etwas Historisches, etwas Kulturelles, etwas Jahrtausendealtes, das einen immer auch überrascht. Wenn man spielt, dann merkt man, wie viel darin steckt.“

Die archäologische Stätte Cuicuilco wurde teilweise erst durch den Bau des olympischen Dorfs von 1968 freigelegt. Das Aztekenstadion liegt nur zehn Minuten entfernt – Geschichte und Sport gehen hier Hand in Hand. Für die modernen Mexikaner ist Ulama ein Stück Identität, ein sorgfältig restauriertes Überbleibsel einer längst verlorenen Welt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration