Ein Experte für internationale Beziehungen hat eindringlich vor einer wachsenden Abhängigkeit Europas von China gewarnt. Er sieht Parallelen zu früheren Fehlentscheidungen, die zu strategischen Nachteilen geführt hätten. Die europäische Politik müsse dringend umsteuern, um nicht erneut in eine Abhängigkeitsfalle zu tappen.
Die Warnung des Experten
Der Politikwissenschaftler Dr. Michael Richter von der Universität Berlin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur DPA: „Europa macht mit China einen schweren Fehler der Vergangenheit. Wir wiederholen dieselben Muster, die uns bereits in anderen Kontexten geschadet haben.“ Er bezog sich dabei auf die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung mit der Volksrepublik, insbesondere in Schlüsseltechnologien und Rohstoffen.
Richter betonte, dass Europa bereits in den 2000er Jahren ähnliche Fehler mit Russland gemacht habe, als man sich zu sehr auf Gaslieferungen verließ. „Die damalige Abhängigkeit hat uns in eine verwundbare Position gebracht. Mit China droht uns nun eine noch größere Abhängigkeit, da es um ganze Lieferketten und Zukunftstechnologien geht.“
Konkrete Beispiele für die Abhängigkeit
Der Experte nannte mehrere Bereiche, in denen Europa stark von China abhängig ist. Dazu gehören seltene Erden, die für die Produktion von Elektroautos und Windkraftanlagen unverzichtbar sind. China kontrolliert rund 60 Prozent des weltweiten Abbaus dieser Rohstoffe. Auch bei der Produktion von Solarmodulen und Batterien für E-Autos dominiert die Volksrepublik.
„Wenn China den Hahn zudreht, stehen bei uns die Räder still“, warnte Richter. Die EU-Kommission habe zwar eine Rohstoffstrategie verabschiedet, diese sei aber nicht ausreichend. „Wir müssen dringend Alternativen aufbauen, etwa durch Recycling oder Abkommen mit anderen Ländern wie Australien oder Kanada.“
Historische Parallelen
Richter zog einen historischen Vergleich: „In den 1970er Jahren war Europa abhängig von Öl aus dem Nahen Osten. Die Ölkrise hat uns damals hart getroffen. Heute wiederholen wir den Fehler mit China, nur diesmal in noch kritischeren Bereichen.“ Er forderte eine Diversifizierung der Lieferketten und mehr Investitionen in europäische Technologien.
Die EU-Kommission habe zwar das Ziel ausgegeben, bis 2030 20 Prozent der kritischen Rohstoffe selbst zu fördern, doch das sei zu wenig und zu langsam. „Wir brauchen einen klaren Plan mit konkreten Meilensteinen und finanziellen Anreizen für Unternehmen.“
Reaktionen aus der Politik
Die Warnung des Experten stieß in politischen Kreisen auf geteilte Reaktionen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, erklärte: „Wir müssen die Warnungen ernst nehmen. China ist kein verlässlicher Partner, sondern ein strategischer Wettbewerber. Europa muss seine Souveränität zurückgewinnen.“
Die Bundesregierung hingegen betont die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit mit China. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte: „China ist ein wichtiger Handelspartner. Wir setzen auf Dialog und De-Risking, nicht auf Entkopplung.“



