Rekordhitze weicht Unwettern: Kaltfront bringt Abkühlung
Die historische Hitzewelle in Deutschland endet am Montag mit einer Kaltfront, die von Nordwesten her Gewitter, Starkregen, Hagel und Sturmböen bringt. Nachdem am Sonntag mit 41,7 Grad in Ost-Brandenburg der dritte Temperaturrekord in Folge aufgestellt wurde, strömt nun kühlere und trockenere Luft ins Land. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettergefahr durch Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen.
DWD: „Noch nie zuvor eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer“
Der DWD sprach in einer ersten Zwischenbilanz von einem Extremereignis. „Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben“, teilte der Wetterdienst mit. In einigen Regionen habe sie elf Tage angehalten. Die Rekordwerte sind jedoch noch vorläufig; eine offizielle Bestätigung soll nach dem Wochenende erfolgen.
Gewitter und Unwetter im Westen und Nordosten
Die Kaltfront eines Tiefs bei Island greift laut DWD von Nordwesten auf Deutschland über. Im Bereich der Gewitter kann es mehrstündigen Starkregen und Sturmböen geben, auch Hagel ist möglich. Im Osten und Süden bleibt es zunächst noch schwül und warm bis heiß. In der Nacht zum Dienstag sollen die Gewitter im Osten abziehen, während im Süden örtlich kräftige Gewitter erwartet werden. Der DWD warnt vor Unwetterpotential mit heftigem Starkregen, schweren Sturmböen und großem Hagel, teilweise mit bis zu 50 Litern pro Quadratmeter.
Bundesumweltminister Schneider: Länder und Kommunen in der Pflicht
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verwies beim Hitzeschutz auf die Verantwortung der Länder und Kommunen. Der Bund habe ihnen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. „Und ich finde, das ist ausreichend und auch auskömmlich, um das Ganze auch zu finanzieren und diese Aufgabe auch wahrzunehmen“, sagte Schneider im Deutschlandfunk. Gleichzeitig arbeite der Bund daran, den Hitzeschutz auch in den nächsten Jahren mitzufinanzieren.
Waldbrände und Verkehrsbehinderungen
Die Hitze führte zu mehreren Waldbränden: Am Chiemsee in Bayern brannten 5,5 Hektar Wald und Moor, die A8 musste komplett gesperrt werden. In Rheinland-Pfalz wurde der Ort Traisen bei Bad Kreuznach wegen eines Waldbrands auf 2,7 Hektar evakuiert, da das Gebiet mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg belastet ist. Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch der Zugverkehr war stark beeinträchtigt: Die Deutsche Bahn riet von nicht dringend notwendigen Reisen ab, und in Leipzig fuhren wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen bis Montagmorgen keine Straßenbahnen. In Nordrhein-Westfalen meldete National Express Probleme im Großraum Essen und am Knoten Düsseldorf Hauptbahnhof.
Badetote und Rettungseinsätze
Seit Freitag starben mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen, darunter ein sechsjähriger Junge im Rhein-Herne-Kanal in Herne und ein 17-Jähriger im Eixer See in Peine. In Köln mussten sieben Personen aus Dachgeschosswohnungen gerettet werden, ihre Körpertemperatur lag bei über 42 Grad. Die Feuerwehr forderte zusätzliche Kräfte an. In Dormagen wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen Temperaturen bis 35 Grad aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt.
Politik und Verbände fordern Hitzeschutzmaßnahmen
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte ein „Abkühl-Sofortprogramm“ mit Klimaanlagen und Solaranlagen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warf der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. „Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. Das Umweltbundesamt forderte Hitzeaktionspläne für Städte. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief zum Wassersparen auf und schloss Verbote nicht aus. Patientenschützer verlangten verbindliche Investitionen in Pflegeheime.
Ausblick: Abkühlung ab Dienstag
Die Hitzewelle ist für den Großteil Deutschlands vorerst vorbei. Ab Dienstag soll die Kaltfront vollständig durchziehen und für deutlich niedrigere Temperaturen sorgen. Der DWD erwartet jedoch weiterhin örtliche Gewitter mit Unwetterpotential, insbesondere im Süden und Osten.



