Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko zeigt eine beispiellose Vielfalt an Nationalitäten: Knapp ein Viertel der rund 1.250 Nationalspieler wurde nicht in dem Land geboren, für das sie spielen. Das ist die höchste Quote in der WM-Geschichte. Allein 98 Spieler stammen aus Frankreich, wie das US-Magazin „The Athletic“ berechnete. Der französische Kader selbst umfasst 26 Profis, zehn in Frankreich geborene Spieler laufen für Senegal auf.
Folarin Balogun: Ein Symbol der globalisierten WM
Die Geschichte von US-Nationalspieler Folarin Balogun verdeutlicht die neue Realität. Seine nigerianischen Eltern waren nur zu Besuch in New York, als seiner Mutter wegen der nahenden Geburt der Rückflug nach London verweigert wurde. Balogun kam in den USA zur Welt und darf nun für den Co-Gastgeber spielen. „Die Ironie einer WM in Trumps Amerika“, schrieb die britische Zeitung „The Independent“. US-Präsident Donald Trump will solche Fälle künftig verhindern: Der Supreme Court prüft seine Anordnung, Kindern die Staatsbürgerschaft zu verweigern, deren Eltern illegal eingereist oder nur geduldet sind.
Wettstreit um Talente: Verbände nutzen globale Ausbildung
Die Nationalverbände ziehen zunehmend Nutzen aus der länderübergreifenden Ausbildung. Der Wettbewerb um junge Talente hat sich intensiviert. In der DFB-Auswahl hätten sich mehrere Profis wie Jamal Musiala auch für England entscheiden können. „Viele Spieler mit gemischtem familiären Hintergrund entschieden sich beim Wechsel in den Seniorenbereich für einen Verbandswechsel“, schrieb die Nachrichtenagentur AP. „Sie folgten dabei entweder ihrem Herzen – oder ihren sportlichen Ambitionen.“
Ein extremes Beispiel ist der WM-Neuling Curaçao: 25 von 26 Spielern wurden in den Niederlanden geboren, zu deren Königreich die Karibikinsel gehört. Für viele wäre der Kader der Elftal unerreichbar gewesen. Die FIFA-Erweiterung von 32 auf 48 Nationen ermöglicht ihnen nun das WM-Erlebnis.
Multinationale Teams als Spiegel der Globalisierung
„The Independent“ bezeichnete die WM als „Fußball in einer zunehmend globalisierten Welt“, ein Spiel „in einem multinationalen Zeitalter, in dem immer mehr Menschen mehrere Staatsbürgerschaften besitzen“. Die Statistik belegt diesen Trend: Nie zuvor waren so viele Spieler für ein Land aktiv, dem sie nicht durch Geburt verbunden sind. Sollte Balogun, der im US-Auftaktspiel zwei Tore erzielte, weiter erfolgreich sein, dürfte auch Trump die Herkunft seiner Staatsbürgerschaft egal sein.



