Die Ukraine hat ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur fortgesetzt. Im Asowschen Meer seien zehn Tanker attackiert worden, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram mit. Damit seien in dieser Woche fast 50 Tanker in der Region beschädigt worden. Zudem seien in der Nacht fünf Umspannwerke auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim getroffen worden.
IEA senkt Prognose für russische Ölförderung
Die Internationale Energieagentur (IEA) senkt ihre Prognose für die russische Ölförderung in diesem Jahr um etwa drei Prozent auf 8,9 Millionen Barrel pro Tag. Grund seien die ukrainischen Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur, teilte die IEA in ihrem monatlichen Marktbericht mit. Gleichzeitig führe der Ausfall großer Raffinerien zu einem akuten Treibstoffmangel in Russland. Die Benzinproduktion fiel auf rund 65 Prozent des saisonal üblichen Verbrauchs, wie Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters und Angaben von zwei Insidern zeigen.
Wegen der anhaltenden Angriffe auf Raffinerien, Tanklager und Transportinfrastruktur senkte die IEA ihre Prognose für die russische Ölförderung für dieses und das kommende Jahr um 85.000 beziehungsweise 150.000 Barrel pro Tag. Im vergangenen Jahr lag die Förderung noch bei 9,2 Millionen Barrel pro Tag. Russland erließ zudem ein Exportverbot für Diesel sowie Ausfuhrbeschränkungen für Benzin und Kerosin, um Engpässe auf dem heimischen Markt zu verhindern.
Feuer in russischer Ölraffinerie Ilski gelöscht
Ein nach einem Drohnenangriff ausgebrochenes Feuer in der russischen Ölraffinerie Ilski in der südrussischen Oblast Krasnodar ist gelöscht worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Krasnodar liegt am Schwarzen Meer und ist über die Brücke von Kertsch mit der Krim verbunden. In der Region Rostow bekämpfte die Feuerwehr Brände in zwei Treibstofflagern sowie im Seehafen von Taganrog. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftverteidigung habe in der Nacht 376 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Die Ukraine greift seit geraumer Zeit als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg verstärkt Energieanlagen in Russland mit Drohnen an. In einigen russischen Regionen hat dies zu akuter Treibstoffknappheit geführt. Auf der Krim wurde sogar der Ausnahmezustand ausgerufen.
Russland vereitelt wohl Angriff auf Militärflugplatz in Rostow
Der Kreml wirft der Ukraine eine Eskalation „terroristischer“ Angriffe vor. Im Zusammenhang mit einem versuchten ukrainischen Angriff auf einen Militärflugplatz in der russischen Oblast Rostow sprach Russland von einem „Terrorakt“, den es vereitelt habe. Auch das von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja sei Ziel solcher Angriffe gewesen, was Moskau als gefährliche Eskalation verurteilte.
Russlands Präsident Wladimir Putin ist laut Kremlsprecher Dmitri Peskow weiterhin offen für eine diplomatische Lösung. Als Reaktion auf eine Eskalation seitens der Ukraine richte Russland jedoch eine ausgedehntere Pufferzone ein. Putin lehne Friedensverhandlungen ab und bereite stattdessen eine Eskalation vor, berichtete Reuters unter Berufung auf drei dem Kreml nahestehende Personen.
Ukrainische Angriffe auf russische Ölinfrastruktur
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte weitere Angriffe auf russische Ölinfrastruktur. Neben Einrichtungen in den Regionen Stawropol und Twer habe das Militär auch ein Reservelager für Treibstoff etwa 800 Kilometer von der Front entfernt getroffen. Zudem sei eine Ölpumpstation in Ufa angegriffen worden, fast 1.500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. In der Region Rostow sei ein Ölverladeterminal attackiert worden.
Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht zwölf russische Tanker im Asowschen Meer angegriffen. Die Schiffe dienten der Versorgung des russischen Militärs mit Treibstoff und transportierten Öl unter Umgehung internationaler Sanktionen, teilte der Generalstab auf Telegram mit. Zudem seien ein Schlepper und ein Frachtschiff getroffen worden. Die Angriffe zielen darauf ab, die Krim zu isolieren.
Russische Gleitbomben treffen Ostukraine
Durch russische Gleitbomben sind in der Ostukraine mindestens vier Menschen getötet worden. 13 weitere seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit. Das russische Militär habe sieben Bomben auf die Stadt Kramatorsk und die nahe Siedlung Bilenke abgeworfen. Dabei seien ein Hochhaus und ein Geschäft getroffen worden. Kramatorsk ist nur gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt. Auch Saporischschja wurde schwer bombardiert; mindestens ein Zivilist wurde getötet und 16 verletzt, so Gouverneur Iwan Fedorow.
Der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj erklärte, das russische Militär habe im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im Vorjahreszeitraum. Die Verluste der russischen Seite bezifferte er auf monatlich knapp 32.000 Tote oder Schwerverwundete. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.
Selenskyj: Grundsatzeinigung mit USA über Patriot-Produktion
Die Ukraine und die USA haben den Weg für Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen freigemacht. Lieferungen der PAC-3-Raketen sollen in den kommenden Tagen eintreffen, so Selenskyj. Zudem liefen Gespräche über die gemeinsame Produktion von Drohnen. Der frühere ukrainische Botschafter Andrij Melnyk begrüßte die Zusicherung: „Die Signalwirkung ist sehr stark für uns, für die Russen, auch für die gesamte Welt.“
Melnyk wies jedoch darauf hin, dass es Monate oder Jahre dauern werde, bis die Ukraine die Abwehrraketen produzieren könne. Der letzte Monat sei der tödlichste für Zivilisten in der Ukraine gewesen: Fast 300 Menschen seien bei russischen Raketenbeschüssen getötet worden.
Russland verhängt Exportverbot für Diesel
Russland verhängte ein Exportverbot für Diesel und begann mit dem Import von Kraftstoff, um Engpässe zu bekämpfen. Wegen Terrorangriffen auf Energieanlagen seien einige Raffinerien beschädigt und die Benzinproduktion gedrosselt worden, sagte Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak. Die Lage an den Tankstellen sei angespannt. Die Regierung deckelte die Kraftstoffpreise an den Rohstoffbörsen und fuhr die Produktion von Kraftstoffen geringerer Qualität hoch.



