Am Mittwochabend setzten sich die USA im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Bosnien-Herzegowina mit einem Sieg durch. Doch vor dem Stadion in Santa Clara, Kalifornien, kam es zu den ersten nennenswerten Anti-Trump-Protesten bei einem WM-Spiel. Bisher waren die Fans des US-Teams als Einheit aufgetreten, politische Themen blieben in Los Angeles und Seattle außen vor. Diesmal jedoch versammelten sich Demonstranten mit Plakaten wie „Bay Resistance“ vor dem San Francisco Bay Area Stadium.
Proteste in der demokratischen Hochburg
Die Bay Area südlich von San Francisco gilt als Hochburg der US-Demokraten und ist Präsident Donald Trump (80) sowie seiner Einwanderungsbehörde ICE feindlich gesinnt. Die „US Immigration and Customs Enforcement“ – eine Vollstreckungsbehörde für Zoll- und Einwanderungsangelegenheiten – erhitzt seit Trumps zweitem Amtsantritt die Gemüter. Viele Menschen mit mexikanischen und südamerikanischen Wurzeln leben in der Region. Trump selbst blieb dem vierten Spiel des US-Teams fern; lediglich Handelsminister Howard Lutnick (64) verfolgte den Einzug ins Achtelfinale.
Massive Festnahmen durch ICE
Hintergrund der Proteste ist die massive Hochfahrung der Aktivitäten von ICE. Laut einem Bericht der „New York Times“ hat die Behörde in den letzten fünf Tagen mehr als 10.000 Menschen festgenommen. Der Anstieg ist auf das politische Vorhaben zurückzuführen, die Festnahmequoten zu erhöhen. Dokumente, die der Zeitung vorliegen, zeigen, dass die Leiter von ICE hochrangige Beamte anwiesen, den Fokus verstärkt auf die Festnahme von Einwanderern zu richten, die abgeschoben werden sollen.
Die Beamten nahmen Personen bei Kontrollen, bei der Einwanderungsbehörde, im Straßenverkehr und auf der Straße fest. Die Zahl der Festnahmen hat sich im Vergleich zu rund 1000 pro Tag Anfang des Jahres etwa verdoppelt. Trump nominierte vor wenigen Tagen Lance Schroyer für den Direktorenposten von ICE, wie er auf Truth Social mitteilte. Schroyer sei ein früherer Polizist aus Oklahoma und ehemaliger Marineinfanterist mit „jahrzehntelanger Erfahrung bei der Inhaftierung der schlimmsten Kriminellen“, so Trump.
Stadionproteste und Reaktionen
Auch über den Zufahrtsstraßen zum Stadion war der Protest wahrzunehmen. Die Demonstranten kritisierten die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung und die brutalen Methoden der ICE-Beamten. Die Stimmung vor dem Spiel war angespannt, aber gewaltfrei. Das US-Team konzentrierte sich auf das sportliche Geschehen und zog ins Achtelfinale ein.



