Die Regierungskrise in Großbritannien spitzt sich zu: Premierminister Keir Starmer steht offenbar kurz vor dem Rücktritt. Einem Bericht der Zeitung „The Observer“ zufolge hat der 63-jährige Labour-Chef nach Gesprächen mit Ministern, Beratern und Gewerkschaftsführern eingesehen, dass er sich nicht mehr im Amt halten könne. Eine Quelle aus der Downing Street wies die Darstellung jedoch als „Spekulation“ zurück und betonte, Starmer konzentriere sich auf seine Amtsgeschäfte.
Burnhams Wahlsieg verschärft Druck auf Starmer
Der parteiinterne Rivale Andy Burnham hatte am Donnerstag die Nachwahl im Bezirk Makerfield gewonnen und sich damit einen Sitz im Parlament gesichert. Dies ermöglicht ihm eine formale Kandidatur für den Labour-Vorsitz. Laut „Observer“ soll Burnham bereits die Unterstützung von mehr als 201 Labour-Abgeordneten haben – mehr als die Hälfte der Fraktion im Unterhaus. Damit könnte Starmer dem König nicht mehr glaubhaft versichern, die Kontrolle über das Parlament zu haben.
Starmer selbst wirke „resigniert“, zitierte die Zeitung eine Labour-Größe. „Er ist hart auf die Realität gestoßen, dass die Unterstützung fehlt.“ Eine dem Premier nahestehende Quelle erklärte, Starmer wolle einen „bewussten langsamen Marsch in geordneter Weise, aus Pflichtgefühl und Würde“ arrangieren. Er habe erkannt, dass das Chaos in London nicht zu stoppen sei, wenn er im Amt bleibe.
Historisch schlechte Umfragewerte und innerparteiliche Revolte
Starmer kämpft zwei Jahre nach seinem Wahlsieg mit historisch schlechten Umfragewerten. Nach schweren Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai und dem Rücktritt führender Kabinettsmitglieder aus Protest gegen seinen Führungsstil ist der Druck massiv gestiegen. Mehr als 100 Abgeordnete – rund ein Viertel der Labour-Fraktion – haben ihn öffentlich zum Rücktritt oder zur Festlegung eines Zeitplans aufgefordert. Starmer hatte daraufhin angekündigt, sich einem möglichen parteiinternen Machtkampf zu stellen.
Spekulationen über Rücktrittsplan im September
Unter Starmers Unterstützern wird erwartet, dass er einen Plan vorlegen wird, im September zurückzutreten, damit sein Nachfolger offiziell beim Labour-Parteitag bestätigt werden kann. „Es gibt offensichtlich Nachteile, aber wir sind, wo wir sind“, zitierte die Zeitung ein prominentes Labour-Mitglied. Eine andere Quelle sagte: „Keir hat erkannt, dass das Spiel aus ist, und es muss ein würdevoller Abgang sein. Was er zu Recht vermeiden will, ist Demütigung, aber die schlimmste Demütigung für Keir persönlich wäre, wenn er in einer Führungswahl antritt und schwer geschlagen wird.“
Die Downing Street wies die Rücktrittsberichte zurück. Ein Regierungsvertreter erklärte, der Premierminister konzentriere sich auf seine Amtsgeschäfte. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Starmer seinem Rivalen Burnham weichen muss.



