Israels Ex-Geiselbeauftragter: 40 Geiseln hätten gerettet werden können
Ex-Geiselbeauftragter: 40 Geiseln hätten gerettet werden können

Mindestens 40 weitere Geiseln hätten aus der Gewalt der Hamas gerettet werden können, wenn sich Israels Regierung nicht einer Verhandlungslösung verweigert hätte. Das erklärte Nitzan Alon, der ehemalige Geiselbeauftragte der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, auf einer Konferenz der Universität Reichman in Herzliya. Alon, ein früherer Armeegeneral, war nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 mit der Rettung der Geiseln beauftragt worden. Bei dem Angriff wurden 1200 Menschen getötet und 251 verschleppt.

Alon: Krieg hätte mindestens ein Jahr früher enden können

Alon zog eine drastische Bilanz: Der Krieg hätte „mindestens ein Jahr früher“ beendet werden können, wenn sich die Regierung nicht einer Verhandlungslösung verweigert hätte. Auslöser für seine deutliche Aussage war eine Provokation des rechtsextremen Finanzministers Bezalel Smotritch, der sich damit gebrüstet hatte, dass „alle Geiseln dank mir wieder hier sind“. Alon widersprach entschieden: „Es war Minister Smotritch, der sich in verschiedenen Stadien der verhandelten Übereinkünfte quergelegt hat. Ich glaube nicht, dass er das als seinen Verdienst darstellen kann.“

Regierung lehnte frühe Geisel-Deals ab

Die israelische Regierung habe mehrere mögliche Geisel-Deals, die zeitlich viel früher angesiedelt waren als der unter US-Präsident Donald Trump erreichte Deal, pauschal abgelehnt, sagte Alon. Dies sei „im Namen des vollständigen Sieges“ geschehen – ein Versprechen, das Netanjahu den Israelis wiederholt gegeben hatte. Alon hält dieses Konzept für verfehlt: Es habe der „Innenpolitik“ der Regierung gedient und wenig mit einer militärischen Strategie zu tun. Smotritch, der die rechtsextreme Partei Religiöse Zionisten leitet, hatte in einem Podcast erklärt, er habe einen entscheidenden Einfluss auf die Geiselpolitik genommen. Alon entgegnete: „Wenn wir über die Rückkehr der Geiseln sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass ungefähr 40 Geiseln lebend entführt und in Gefangenschaft getötet wurden.“ Durch Verhandlungslösungen hätten einige dieser Tode verhindert werden können.

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Smotritchs Partei kontert

Smotritchs Partei reagierte mit einem Gegenangriff und erklärte, Alon habe sich „für eine komplette Kapitulation vor der Hamas starkgemacht“. Hätte man diese Meinung akzeptiert, hätte die Hamas die Kontrolle der Grenze wiedergewonnen. Tatsächlich hält die Hamas jenen Teil Gazas, der nicht von Israels Militär besetzt ist, fest im Griff. Laut israelischen Sicherheitsexperten hat sie seit der Waffenruhe an Macht und Zulauf gewonnen. Israels Armee setzt ihre Manöver aus der Luft und am Boden in Gaza fort. Seit dem Waffenstillstandsabkommen im Oktober wurden laut UN-Angaben rund 1000 Menschen getötet, darunter mehr als 250 Kinder. Die Armee gibt an, die Manöver dienten der Abwehr unmittelbarer Gefahren für israelische Soldaten.

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