Deutschland stöhnt unter einer extremen Hitzewelle. Die Temperaturen klettern vielerorts auf bis zu 40 Grad, und eine sogenannte Hitzeglocke sorgt dafür, dass die Luft kaum zirkuliert. Meteorologe Karsten Brandt von donnerwetter.de und Harald Perlinger warnen vor den ernsten gesundheitlichen Folgen dieser Rekordhitze.
Was ist eine Hitzeglocke und warum ist sie so gefährlich?
Eine Hitzeglocke entsteht, wenn ein Hochdruckgebiet die Luft über einer Region festhält und sie wie unter einer Glocke einschließt. Die Sonne heizt den Boden auf, und die warme Luft kann nicht entweichen. „Die Temperaturen steigen kontinuierlich an, und nachts kühlt es kaum ab“, erklärt Brandt. Das führe zu einer enormen Belastung für den Körper, der sich nicht mehr ausreichend erholen könne. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder und Personen mit Vorerkrankungen.
Die gesundheitlichen Risiken der Hitze
Harald Perlinger betont die akuten Gefahren: „Hitzschlag, Kreislaufkollaps und Dehydrierung sind die häufigsten Notfälle.“ Der Körper verliere durch Schwitzen viel Flüssigkeit und Salze, was zu Muskelkrämpfen, Übelkeit und Bewusstlosigkeit führen könne. Schon bei 35 Grad steige das Risiko für Hitzschlag massiv. „Trinken Sie mindestens zwei bis drei Liter pro Tag, vermeiden Sie körperliche Anstrengung und suchen Sie kühle Orte auf“, rät Perlinger. Die Hitzeglocke verstärke diese Effekte, da die Luftfeuchtigkeit oft ebenfalls hoch sei und die Verdunstungskühlung des Körpers behindere.
Wie lange bleibt die Hitze?
Die Hitzewelle soll laut Brandt noch mindestens mehrere Tage anhalten. „Erst am Wochenende ist mit einer leichten Abkühlung zu rechnen, aber die Temperaturen bleiben über 30 Grad.“ Die anhaltende Hitze führe zu einer kumulativen Belastung: Je länger die Hitzeglocke bestehe, desto stärker leide die Gesundheit der Bevölkerung. Städte mit viel Beton und Asphalt heizten sich besonders auf – der sogenannte Wärmeinseleffekt treibe die Temperaturen in Ballungsräumen noch höher.
Maßnahmen gegen die Hitzebelastung
Die Experten empfehlen, sich in den kühleren Morgen- und Abendstunden zu bewegen, leichte Kleidung zu tragen und viel zu trinken – am besten Wasser oder ungesüßte Tees. Alkohol und Koffein sollten gemieden werden, da sie den Körper zusätzlich belasten. Öffentliche Gebäude wie Bibliotheken oder Einkaufszentren böten oft klimatisierte Räume. „Schalten Sie Ventilatoren ein, aber richten Sie sie nicht direkt auf den Körper, wenn die Temperatur über 35 Grad liegt – das kann zu Austrocknung führen“, warnt Brandt.
Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen
Die Hitzewelle trifft nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Wirtschaft. Bauarbeiter, Landwirte und Berufskraftfahrer sind besonders betroffen. „Viele Betriebe haben Hitzefrei angeordnet oder die Arbeitszeiten in die frühen Morgenstunden verlegt“, berichtet Perlinger. Die Landwirtschaft leide unter Trockenheit, und die Nachfrage nach Ventilatoren und Klimaanlagen sei sprunghaft gestiegen. Die Krankenhäuser bereiten sich auf eine erhöhte Zahl von Notfällen vor. Die Politik sei gefordert, langfristige Anpassungsstrategien zu entwickeln, um die Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.



