Alpen-Gletscher: Schneereserven könnten schon am 29. Juni aufgebraucht sein
Alpen-Gletscher: Schneereserven schon am 29. Juni aufgebraucht?

Schon am 29. Juni könnten die winterlichen Schneereserven der Gletscher in diesem Jahr aufgebraucht sein. Damit rechnet der Schweizer Forscher Matthias Huss. Die Hitzewelle in Europa setzt auch den Gletschern zu: In den Alpen sei in diesem Jahr mit einem „sehr starken Eisverlust“ zu rechnen, sagte der Schweizer Gletscher-Forscher Matthias Huss der Nachrichtenagentur AFP. Voraussichtlich schon am 29. Juni seien die winterlichen Schneereserven der Gletscher in diesem Jahr aufgebraucht – danach verlieren sie beim Schmelzen an Masse. Der sogenannte Gletscherschwundtag war bisher nur ein einziges Mal, im Jahr 2022, schon so früh im Jahr eingetreten.

Ursachen: Hitzewelle, schneearmer Winter und Saharastaub

Huss, der den Schweizer Gletschermessdienst Glamos leitet, führt dies auf die aktuelle Hitzewelle, die Hitzewelle im Mai, aber auch auf den erneut schneearmen Winter zurück. „Wir beobachten enorme Abtragungs- und Schmelzraten von Eis und Schnee im gesamten Alpenraum“, sagte Huss. Die Schmelze setze etwa drei Monate früher ein, als für die Gletscher „gesund“ wäre.

„Ich komme gerade vom Rhone-Gletscher zurück“, berichtete Huss. Seit dem letzten Besuch vor zehn Tagen „haben wir auf der Gletscherzunge eine Schmelze von etwa einem Meter in der Vertikalen festgestellt, also einen Meter Eisverlust in nur zehn Tagen“. Das sei „sehr beeindruckend zu sehen und ausschließlich die Folge der Hitzewelle“.

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Kombination aus Intensität und Dauer der Hitze

Eine einzige Hitzewelle sei für die Gletscher normalerweise noch kein großes Problem, hob Huss hervor. „Das Problem ist eher, wenn wir sehr hohe Temperaturen haben, die sehr lange anhalten“, erklärte der Experte. „Es ist also eine Kombination aus Intensität und Dauer. Je mehr Tage mit sehr hohen Temperaturen es gibt, egal ob 35 oder 40 Grad, desto schlechter ist das für die Gletscher.“

Zum „äußerst schlechten Zustand der Gletscher“ habe in diesem Jahr eine „Kombination unglücklicher Umstände“ beigetragen: Neben geringen Schneefällen im Winter etwa auch Saharastaub im März. Huss sieht dabei eine „erstaunliche“ Ähnlichkeit zum „Extremjahr“ 2022, dem „mit großem Abstand extremsten Jahr“ in den Alpen mit bisher unübertroffenen Schmelzraten.

Bilanz: Ein Viertel weniger Schnee und besorgniserregende Zukunft

In diesem Jahr habe auf den Gletschern ein Viertel weniger Schnee gelegen als in den Jahren 2010 bis 2020, erklärte Huss. Zudem sei schon der Mai sehr warm gewesen, so dass die Schneedecke früher abgetaut sei und die schneller abschmelzende, dunkle Gletscheroberfläche freigelegt habe.

Schon vor der jährlichen Bestandsaufnahme im September rechnet Huss daher mit einem starken Eisverlust – und auch mit Blick auf die kommenden Jahre sei die Lage besorgniserregend. „In der Schweiz haben wir 1200 Gletscher erfasst, die in den vergangenen 50 Jahren verschwunden sind. Heute haben wir nur noch etwa 1300“, rechnete der Gletscher-Forscher vor. „Wenn sich die Erwärmung wie in den vergangenen Jahrzehnten fortsetzt, werden bis 2100 nur noch kleine Eisreste übrig sein.“

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