Die Zahl der Todesopfer nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist auf 920 gestiegen. Mindestens 3300 weitere Menschen wurden verletzt, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Die Regierung schätzt, dass noch Hunderte unter den Trümmern eingeschlossen sind. Die US-Erdbebenwarte USGS befürchtet jedoch mehr als 10.000 Todesopfer. Auf einer Website wurden fast 50.000 Menschen als vermisst gemeldet. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der betroffenen Menschen auf sieben Millionen.
Schwerpunkt La Guaira
Besonders schwer habe es den Bundesstaat La Guaira getroffen, sagte Rodríguez, die das Amt übernahm, nachdem US-Streitkräfte Staatschef Nicolás Maduro im Januar bei einem Militäreinsatz gefangen nahmen, um ihn in den USA vor Gericht zu stellen. „Wir werden die eingeschlossenen Menschen retten“, sagte sie mit Blick auf etliche ihrer Landsleute, die noch immer unter Trümmern vermutet wurden. „Wir arbeiten unermüdlich an dieser Aufgabe.“
Die Hilfen waren zunächst nur schleppend angelaufen, weil auch der internationale Flughafen unweit der Hauptstadt Caracas schwer beschädigt wurde. Zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwochabend (Ortszeit) das südamerikanische Land erschüttert. Bislang galt ein Beben im Jahr 1967 mit 240 Toten als das folgenreichste in der jüngeren Geschichte des Landes.
Deutsche Hilfe angelaufen
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will nach den Erdbeben in Venezuela alles für eine schnelle Unterstützung unternehmen. „Wir wollen sicherstellen, dass das Hilfsmaterial so schnell wie möglich hinkommt“, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch auf der Messe IdeenExpo in Hannover. Zur Zahl der Opfer sagte er: „Schätzungen gehen in die Tausende, aber wir wissen es eben noch nicht. Und wir haben gesagt, wir wollen schnell bereitstehen, wenn Anforderungen kommen. Sie sind da.“
Die Bundeswehr war zuvor vom niedersächsischen Wunstorf aus mit Transportflugzeugen gestartet, um Hilfsgüter und deutsche Rettungskräfte in das südamerikanische Land zu bringen. An Bord der Bundeswehr-Maschinen sind neben Soldaten zahlreiche Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) sowie tonnenweise Material und Technik. Zu den Hilfsgütern zählen unter anderem Wasserfilter, Feldbetten, Zelte und Generatoren.
EU unterstützt mit über 520 Einsatzkräften
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela schicken neben Deutschland auch andere Länder der Europäischen Union Helfer. Insgesamt sind laut Angaben der EU-Kommission mehr als 520 Einsatzkräfte wie Feuerwehrleute und medizinisches Personal unterwegs. Sie kommen unter anderem aus Spanien, Italien und Tschechien. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankte den Mitgliedsstaaten für ihre Solidarität. „Wir stehen dem venezolanischen Volk in dieser Zeit großer Tragödien und Katastrophen zur Seite“, sagte sie. „Venezuela ist nicht allein.“
Die EU sendet den Angaben zufolge auch Rettungshunde. Zusätzlich stelle man Geodaten und Satellitenbilder zur Verfügung. Je nach Entwicklung wolle man weitere Unterstützung senden. Zwei schwere Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert. Nach Angaben der Regierung des südamerikanischen Landes gibt es Hunderte Tote. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Vermissten in die Tausende gehen könnte.



