Extreme Temperaturen haben Deutschland tagelang in den Ausnahmezustand versetzt. Hitze in Krankenhäusern, viele Todesfälle, Schäden an Straßen und Schienen wären vermeidbar gewesen. Eine Analyse von Susanne Götze zeigt fünf Lehren aus der Hitzewelle, die jetzt umgesetzt werden müssen.
Lehre 1: Hitzeschutzpläne für Krankenhäuser sind überfällig
Während der Hitzewelle stiegen die Temperaturen in vielen Krankenhäusern auf über 30 Grad Celsius. Patienten litten unter Kreislaufproblemen, Operationen mussten verschoben werden. Laut einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts haben nur 15 Prozent der Kliniken einen Hitzeschutzplan. Dabei sind hitzebedingte Todesfälle vermeidbar, wie das Beispiel Frankreich zeigt, wo nach der Hitzewelle 2003 ein nationaler Hitzeschutzplan eingeführt wurde.
Lehre 2: Infrastruktur muss hitzeresistenter werden
Straßen und Schienen wurden durch die extreme Hitze beschädigt. Die Deutsche Bahn meldete über 100 Schienenverwerfungen, die zu Verspätungen und Ausfällen führten. Auch Autobahnen zeigten Risse und Aufwölbungen. Der Gesamtschaden an der Verkehrsinfrastruktur wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. „Wir müssen unsere Infrastruktur anpassen, sonst werden die Schäden in den nächsten Jahren exponentiell steigen“, warnt Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.
Lehre 3: Städte brauchen mehr Grünflächen und Wasser
In den Innenstädten war die Hitze besonders unerträglich. Versiegelte Flächen heizen sich auf und geben nachts die Wärme ab. Städte wie Stuttgart und Frankfurt haben begonnen, Dachbegrünung und Trinkbrunnen zu fördern, doch das reicht nicht. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass eine Erhöhung des Grünanteils um 10 Prozent die Temperatur um bis zu 2 Grad Celsius senken kann. „Jeder Baum zählt“, sagt Stadtplanerin Eva-Maria Bauer von der TU Berlin.
Lehre 4: Frühwarnsysteme müssen verbessert werden
Der Deutsche Wetterdienst hatte zwar vor der Hitzewelle gewarnt, doch viele Menschen haben die Warnungen nicht ernst genommen. Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke waren betroffen. In der Hitzewelle starben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 4.000 Menschen mehr als im Durchschnitt. „Wir brauchen zielgerichtete Warnungen, die auch die besonders Gefährdeten erreichen“, fordert Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Lehre 5: Klimaanpassung muss Priorität in der Politik bekommen
Bisher hat die Bundesregierung zwar einen Klimaanpassungsplan verabschiedet, aber die Umsetzung hinkt hinterher. Die Kommunen fordern mehr Geld und klare Vorgaben. „Die Hitzewelle zeigt, dass wir nicht erst in zehn Jahren handeln dürfen, sondern jetzt“, sagt der Präsident des Deutschen Städtetags, Markus Lewe. Die Kosten für Nichtstun seien weit höher als die Investitionen in Anpassungsmaßnahmen.



