Hitzerekord in Deutschland: Abkühlung mit Gewittern und Unwettern
Hitzerekord: Abkühlung mit Gewittern und Unwettern

Nach einem glühend heißen Wochenende mit einem vorläufigen Temperaturrekord von 41,7 Grad in Neißemünde (Brandenburg) kühlt sich Deutschland ab – allerdings begleitet von teils schweren Gewittern mit Starkregen und Sturmböen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in der Nacht vor allem im Süden und Osten vor örtlichen Unwettern mit Hagel und heftigen Starkregen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter. In der zweiten Nachthälfte waren auch der Westen und Südwesten betroffen. Für heute werden Höchstwerte zwischen 25 und 29 Grad erwartet, lokal im Osten und Südosten bis 32 Grad.

Rekordtemperaturen und wärmste Nacht

Der vorläufige Rekord von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag in Neißemünde im Landkreis Oder-Spree gemessen – die dritte Bestmarke binnen weniger Tage. Bereits am Freitag hatte der DWD in Saarbrücken-Burbach 41,3 Grad registriert, am Samstag an derselben Station 41,4 Grad und in Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) 41,5 Grad. Die folgende Nacht war nach vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Aufzeichnungsbeginn: In Kubschütz (Ostsachsen) sank die Temperatur nicht unter 29,4 Grad – der alte Rekord von 27,2 Grad (13. August 2003) wurde um mehr als zwei Grad übertroffen.

Der bisherige Hitzerekord für Deutschland hatte bei 41,2 Grad gelegen, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl (Nordrhein-Westfalen). Der Juni 2026 war laut DWD deutlich wärmer als andere Juni-Monate und dürfte „bei der Monatsmitteltemperatur unter den Top 3 der wärmsten seit Messbeginn landen“, so eine Pressesprecherin. Die genaue Auswertung soll am Montagmittag veröffentlicht werden. Zudem sei der Juni vergleichsweise niederschlagsarm gewesen mit vielen Sonnenstunden.

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Klimawandel als Treiber der Extremhitze

Die aktuelle Hitzewelle wäre in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen. Die Tagestemperaturen und auch die nächtlichen Werte wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren in West- und Mitteleuropa „praktisch unmöglich“ gewesen, betont die Organisation World Weather Attribution. Deutschland hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt – mehr als der globale Durchschnitt. Dies führt laut DWD zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gefährden und die Waldbrandgefahr erhöhen.

WHO: Hitzestress als stiller Killer

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Rekordhitze als mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. „Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen“, schrieb er auf X. „Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.“ Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze; Schulen seien geschlossen, Stromnetze brachen zusammen. Hitzestress werde oft als „stiller Killer“ bezeichnet – und europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt.

Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur

Wegen der Hitze hatten die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen am Wochenende von nicht notwendigen Reisen abgeraten. Am Samstagabend strandeten mehr als 600 Passagiere ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz (Brandenburg), nachdem ein Baum bei einem Sturm auf eine Oberleitung gefallen war. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Auch der Straßenverkehr litt unter Hitzeschäden: Laut ADAC waren vielerorts Autobahnen von Sperrungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen betroffen, da sich die Fahrbahn aufgrund von Hitze aufwölbte. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren viele Tausend Hitzetote, auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung. Schäden durch stärkere Unwetter mit heftigen Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen kommen hinzu.

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