Hitzewelle in Deutschland: 41,7 Grad Rekord, Waldbrand auf A8, zwölf Badetote
Hitzewelle: 41,7 Grad Rekord, Waldbrand auf A8

Am Sonntag, den 28. Juni 2026, wurde mit 41,7 Grad in Ost-Brandenburg der dritte Temperaturrekord in Folge aufgestellt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete die vorläufige Höchsttemperatur nach 41,3 Grad am Freitag in Saarbrücken und 41,5 Grad am Samstag in Drewitz (Sachsen-Anhalt). Die Werte sind noch nicht offiziell bestätigt. Ab Montag werden Regen und Gewitter erwartet, die Abkühlung bringen sollen.

Waldbrand am Chiemsee: A8 komplett gesperrt

Wegen eines Waldbrandes am Chiemsee in Bayern ist die Autobahn 8 zwischen Übersee und Bernau vollständig gesperrt. Rund 5,5 Hektar Wald und Moor stehen in Flammen – eine Fläche von knapp acht Fußballfeldern. Der aufsteigende Rauch verursacht Sichtbehinderungen. Ein Polizeisprecher teilte mit, dass die Dauer der Sperrung von der Windrichtung und den Löscharbeiten abhängt. Seit Sonntagabend bekämpfen rund 200 Feuerwehrleute den Brand, ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. Ein Polizeihubschrauber soll am Morgen Wasser abwerfen. Auf beiden Seiten der Sperrung bildeten sich lange Staus.

Zwölf Badetote seit Freitag – DLRG warnt

Seit Freitag sind in Deutschland mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen gestorben. Ein sechsjähriger Junge ertrank im Rhein-Herne-Kanal in Herne, ein 27-Jähriger im Neckar bei Heidelberg, ein 30-Jähriger in einem Badesee bei Neuhofen. In Berlin kamen zwei Männer ums Leben, in Hessen wurde ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim geborgen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt vor den Gefahren der Hitze und appelliert an die Vernunft der Badegäste.

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Hitzeschäden legen Straßenbahnen in Leipzig lahm

Wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen stellten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) den Straßenbahnverkehr bis Montagmorgen 3:30 Uhr ein. An vielen Stellen verflüssigte sich Bitumen und verklumpte in den Weichen. Ein sicherer Betrieb sei nicht möglich, teilten die LVB mit. Sämtliche Straßenbahnlinien sind betroffen, Busse fahren planmäßig. Auch auf Autobahnen wie der A2, A9, A10 und A93 führen Hitzeschäden zu Sperrungen und Behinderungen.

Dorf Traisen in Rheinland-Pfalz evakuiert

Ein Waldbrand im Kreis Bad Kreuznach zwang zur vollständigen Evakuierung des Dorfes Traisen mit rund 600 Einwohnern. Das Feuer wütet auf 2,7 Hektar in einem steilen, schwer zugänglichen Waldgebiet mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg. Ortsbürgermeister Norman Frey erklärte, die Evakuierung gelte „bis auf Weiteres“. Die Landrätin Bettina Dickes (CDU) sprach von einer ökologischen Katastrophe. Ein Funkturm und eine Starkstromtrasse seien bedroht.

Kanzleramt ohne Klimaanlage – Dröge fordert „Abkühl-Sofortprogramm“

Das Bundeskanzleramt verfügt über keine flächendeckende Klimaanlage, wie ein Regierungssprecher der „Rheinischen Post“ bestätigte. Nur das Arbeitszimmer des Kanzlers sei klimatisiert. Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert ein „Abkühl-Sofortprogramm“ für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. „Wir schlagen ein neues Förderprogramm für ‚Klima-Solar-Anlagen‘ vor“, sagte Dröge der „Bild am Sonntag“.

Zugverkehr stark beeinträchtigt – 630 Passagiere in Brandenburg gestrandet

Die Deutsche Bahn rät von nicht dringend notwendigen Reisen ab. In der Prignitz (Brandenburg) strandeten 630 Passagiere in einem Zug ohne Klimaanlage, nachdem ein Baum auf die Oberleitung gefallen war. Im Waggon stieg die Temperatur auf etwa 40 Grad. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Die Feuerwehr öffnete die Türen und brachte Kinder, Schwangere und Ältere in Sicherheit. Eine Diesellok zog den Zug nach Karstädt, wo ein Notlager eingerichtet wurde.

Hitzewelle wäre ohne Klimawandel 3,5 Grad kühler

Forscher der Organisation World Weather Attribution betonen, dass die aktuelle Hitzewelle ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“ gewesen wäre. Die Tageshöchst- und Nachttemperaturen lägen rund 3,5 Grad niedriger. Der Klimawandel sei der maßgebliche Treiber der Rekordtemperaturen, so die Wissenschaftler.

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Patientenschützer und Hausärzte kritisieren mangelnden Hitzeschutz

Die Stiftung Patientenschutz forderte mehr Investitionen in Pflegeheime. Vorstand Eugen Brysch kritisierte: „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen.“ Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warf der Bundesregierung Versagen vor. Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth sagte: „Bis heute ist de facto nichts passiert.“