Hitzewelle in Berlin: 120.000 Badegäste, Rekord-Hitze und Gewitter zur Abkühlung
Hitzewelle Berlin: 120.000 Badegäste, Rekord-Hitze

Mehr als 120.000 Menschen strömten am Wochenende in die Berliner Freibäder, um der Rekordhitze zu entkommen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am Montag, dass ab den Mittagsstunden aus Südwesten aufziehende Gewitter für Abkühlung sorgen sollen. Lokal ist auch heftiger Starkregen möglich. Die Temperaturen sollen auf Höchstwerte von 27 bis 31 Grad fallen. Zuvor werden im Süden Brandenburgs örtlich kräftige Gewitter mit Starkregen erwartet. In den Abendstunden ziehen die Gewitter nach Polen ab.

Rekordhitze in Berlin und Brandenburg

Am Samstag wurde in Berlin-Tempelhof mit 39,9 Grad ein neuer Temperaturrekord für die Hauptstadt gemessen, wie der DWD mitteilte. Der bisherige Rekord lag bei 38,9 Grad, gemessen am 7. August 2015 in Berlin-Kaniswall. In Brandenburg wurde in Baruth (Landkreis Teltow-Fläming) mit 40,8 Grad sogar ein neuer Landesrekord aufgestellt. Am Sonntag wurden im Dorf Coschen in Brandenburg 41,7 Grad gemessen – ein bundesweiter Hitzerekord. „Unser Ort war wie ausgestorben“, berichtete Ortsvorsteherin Birgit Radt.

Ansturm auf Berliner Bäder

Die Berliner Bäder-Betriebe meldeten am Wochenende 120.159 Besucher in den Freibädern. Zum Vergleich: In der gesamten vorherigen Woche waren es insgesamt 295.989 Besucher. Der große Andrang führte zu vorübergehenden Einlassstopps. Der Ticketverkauf wurde an beiden Tagen gestoppt, vor den Bädern bildeten sich lange Schlangen. Eine Sprecherin der Bäder-Betriebe berichtete von einigen Rettungseinsätzen, vor allem wegen Kreislaufproblemen. Größere Zwischenfälle, bei denen die Polizei hätte eingreifen müssen, seien nicht bekannt. Angesichts des „historisch heißen Wochenendes und des großen Ansturms“ sei dies besonders erfreulich, so die Sprecherin.

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Feuerwehr im Dauereinsatz

Die Berliner Feuerwehr war am Wochenende zu mehr als 4000 Einsätzen ausgerückt – ein Anstieg von knapp einem Drittel im Vergleich zu einem durchschnittlichen Tag. Am Samstag waren es 2050, am Sonntag 2083 Einsätze. „Also hunderte Einsätze mehr, nicht nur im Bereich des Rettungsdienstes, sondern auch in der Brandbekämpfung“, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Retter seien „permanent durchgefahren“ und extrem ausgelastet gewesen. Vor allem Ältere und Kinder mit typischen hitzebedingten Gesundheitsproblemen wie Schwindel, Erschöpfung und Kreislaufproblemen waren betroffen.

Wasserwerfer der Polizei sorgten für Abkühlung

Die Berliner Polizei setzte am Wochenende Wasserwerfer ein, um die Bevölkerung zu erfrischen. Am Samstag waren die Fahrzeuge am Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz im Einsatz, am Sonntag am Olympiastadion vor dem Bruno-Mars-Konzert und am Schillerpark in Wedding. Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel dankte den Einsatzkräften, die „am Wochenende bei diesen extremen Wetterbedingungen ihren Dienst für die Sicherheit dieser Stadt leisten“. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) lobte die Aktion als „sehr, sehr gute Idee“. Viele Menschen hätten sich bedankt, auch bei den Touristen sei es gut angekommen.

Bruno Mars trat bei fast 40 Grad im DFB-Trikot auf

Weltstar Bruno Mars gab am Sonntagabend ein Konzert im Olympiastadion bei Temperaturen knapp unter 40 Grad. Er trug ein kurzes DFB-Trikot als Bühnenoutfit. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) verteilte mehrere Dutzend Flaschen Sonnencreme. Für das Konzert wurden die Regeln gelockert: Alkoholfreie Getränke in Tetrapaks oder Weichplastikflaschen durften mitgebracht werden, ebenso Hand- oder Nackenventilatoren und Fächer.

Tödliche Badeunfälle und Rettungseinsätze

Am Wochenende gab es mehrere tödliche Badeunfälle in Berlin. Ein Jugendlicher wurde leblos aus der Spree gezogen, zwei Männer starben am Jungfernheideteich und im Hafen Tempelhof. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete mehr als 100 Einsätze, davon 76 medizinische wie Kreislaufprobleme und Bewusstseinseintrübungen. Vier Personen wurden vermisst, aber alle Fälle konnten positiv abgeschlossen werden.

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Hitzeschäden an Infrastruktur

Die extreme Hitze führte zu Schäden an Straßen und Schienen. Auf der A115 hob sich der Asphalt an, sodass die Autobahn zwischen Potsdam-Drewitz und Saarmund gesperrt werden musste. Auch auf der A2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden Hitzeschäden gemeldet, die zu erheblichen Staus führten. In Polen brach der gesamte Zugverkehr wegen der Hitze zusammen. Diverse Hochgeschwindigkeitszüge blieben auf der Strecke liegen, blockierten die Gleise und mussten evakuiert werden. Am Warschauer Hauptbahnhof herrschte Chaos, der Eurocity nach Berlin hatte bis zu fünf Stunden Verspätung.

Gesundheitliche Auswirkungen

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) meldete eine deutliche Häufung von Patienten mit Hitzeerscheinungen. Besonders viele Senioren aus Pflegeheimen kamen mit Exsikkose (Austrocknung) und Nierenversagen. Eine Sprecherin des UKB rief dazu auf, ausreichend zu trinken und bei leichten Symptomen den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116117 zu kontaktieren. Die Malteser meldeten eine technische Störung an ihren Hausnotrufgeräten, die Senioren bei der Hitze besonders betraf.

Ausblick: Gewitter bringen Abkühlung

Am Montag werden ab den Mittagsstunden Gewitter erwartet, die die Temperaturen auf 27 bis 31 Grad senken sollen. Der DWD warnt jedoch vor lokal heftigem Starkregen. In der Nacht zum Montag konnte die Feuerwehr den Waldbrand in der Gohrischheide an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg unter Kontrolle bringen. Das sächsische Innenministerium rechnet damit, dass das Feuer noch am Montag gelöscht werden kann – unterstützt durch den erwarteten Regen.