Die rund 3,5 Millionen Selbstständigen und Freiberufler in Deutschland halten den Laden mit am Laufen. Doch wenn es um neue Einnahmequellen geht, geraten sie schnell ins Visier der Koalition. Ein Kommentar von Thomas Sigmund.
Selbstständige haben kaum politische Verbündete
Die Verbündeten der Selbstständigen und Freiberufler in der Politik muss man mit der Lupe suchen. Zu der raren Spezies gehört etwa die Mittelstandsbeauftragte Gitta Connemann, die sich um die rund 3,5 Millionen Unternehmer kümmert, die den Laden in Deutschland mit am Laufen halten.
Warum aber hat der Kanzler kein Ohr für sie? Erstens sind die Selbstständigen nicht so einfach von der Politik zu lenken wie die großen Blöcke der Industrie- und Arbeitgeberverbände in Berlin. Und zweitens haben sie nicht wie die Industrie das Drohpotenzial, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Auf solche Warnungen reagiert die Politik indes sehr schnell.
Debatten über Lohnfortzahlung und Urlaub
Die Selbstständigen dürften allerdings nur noch den Kopf schütteln über die Debatten, wie der Kanzler und seine Koalition das Land wieder flottbekommen wollen. Es wird hitzig diskutiert etwa über einen Tag weniger Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder die Lockerung des Kündigungsschutzes. Zuletzt gab es den Vorstoß aus der SPD-Spitze, den Arbeitnehmern einen Tag mehr Urlaub zu gönnen.
Ein Selbstständiger kann sich nicht einen gelben Schein holen, und wenn er in Urlaub geht, muss er sich um eine bezahlte Vertretung kümmern oder er verdient in dieser Zeit weniger. So einfach ist das.
Fehlendes Drohpotenzial als politisches Manko
Im Gegensatz zu großen Industriekonzernen können Selbstständige nicht mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland drohen. Dieses Drohpotenzial fehlt ihnen, und daher werden ihre Anliegen in der Politik oft übergangen. Während die Koalition über Maßnahmen wie Lohnfortzahlung und Urlaub debattiert, bleiben die spezifischen Herausforderungen der Selbstständigen häufig unberücksichtigt.



