Die Brandenburger Polizeibeauftragte Inka Gossmann-Reetz hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Beschwerden verzeichnet. Laut ihrem neuen Tätigkeitsbericht gingen 2025 insgesamt 85 Beschwerden und Eingaben ein – ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zu 2024, als es 60 Fälle waren.
Verhaltensbeschwerden dominieren
Die mit Abstand größte Gruppe der Beschwerden entfällt auf das Verhalten von Polizeibediensteten: 48 Fälle oder 56 Prozent betreffen Vorwürfe wie unangemessenes Verhalten, Missverständnisse, unprofessionelles Auftreten oder zwischenmenschliche Konflikte. Rechtsfehler machen 19 Fälle (23 Prozent) aus. In zehn Fällen (12 Prozent) ging es um Extremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – ein Anteil, den die Beauftragte als „verhältnismäßig gering“ bezeichnet. Acht sonstige Fälle (9 Prozent) runden das Bild ab.
Mehr als die Hälfte der Fälle abgeschlossen
Von den 85 Beschwerden und Eingaben des Jahres 2025 wurde etwas mehr als die Hälfte bereits abschließend bearbeitet. Die Bearbeitungsquote liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.
Tasereinsatz gegen 14-Jährigen sorgt für Aufsehen
Ein besonders auffälliger Fall betrifft den Einsatz einer Elektroschockpistole (Taser) gegen einen 14-jährigen Jugendlichen. Hintergrund war der Verdacht auf Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung; der Jugendliche sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht stehengeblieben. Nach einem Medienbericht gingen mehrere Beschwerden bei der Polizeibeauftragten ein. Das Innenministerium verwies auf Anfrage auf eine Bewertung der Staatsanwaltschaft, wonach der Zwang erforderlich und gerechtfertigt gewesen sei, um den Verbleib des möglichen Beschuldigten zur Identifikation sicherzustellen. Die Polizeibeauftragte durfte eigenen Angaben zufolge nur sehr eingeschränkt tätig werden. Offen blieb, ob die Eltern des Jugendlichen verständigt wurden.
Vergleich zum Vorjahr
Im Jahr 2024 war der Anteil der Verhaltensbeschwerden mit 62 Prozent noch höher gewesen. Rechtsfehler machten damals ein Viertel der insgesamt 60 Fälle aus, und bei jedem zehnten Fall ging es um mutmaßliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Extremismus. Der aktuelle Bericht zeigt somit eine Verschiebung hin zu mehr Beschwerden insgesamt, aber mit einem leicht geringeren Fokus auf Verhaltensfehler.



