Fünf Lektionen aus Paris: So kann Berlin Hitzewellen besser trotzen
Fünf Lektionen aus Paris für Berlin bei Hitzewellen

Die Sommer in Berlin werden heißer, doch die Stadt ist auf extreme Hitze nicht ausreichend vorbereitet. Ein Blick nach Paris zeigt, wie es besser gehen könnte: Die französische Hauptstadt hat nach der verheerenden Hitzewelle von 2003 mit 15.000 Todesfällen landesweit ein umfassendes Programm zur Hitzeprävention aufgelegt. Berlin kann daraus fünf konkrete Lehren ziehen.

Mehr Bäume und Grünflächen als Kühlung

Paris hat seit 2020 über 170.000 Bäume gepflanzt, mit dem Ziel, bis 2030 die Stadt um 50 Prozent zu begrünen. Berlin hingegen verliert jährlich Bäume durch Trockenheit und Bauprojekte. Dabei senken Bäume die Umgebungstemperatur um bis zu 5 Grad Celsius. Der Senat müsste nicht nur Neupflanzungen priorisieren, sondern auch bestehende Bäume besser schützen – etwa durch Bewässerungskonzepte und entsiegelte Baumscheiben.

Krankenhäuser auf Hitze vorbereiten

In Paris verfügen alle Krankenhäuser über Hitzeschutzpläne: Notaufnahmen werden klimatisiert, es gibt gekühlte Räume und Trinkstationen. In Berlin sind viele Kliniken baulich veraltet, nur rund 30 Prozent haben eine voll funktionsfähige Klimaanlage. „Wir brauchen verbindliche Standards für die Kühlung von Patientenzimmern und Operationssälen“, sagt der Berliner Gesundheitssenator (Name nicht genannt). Hitzebedingte Einweisungen, etwa wegen Kreislaufkollaps, nehmen zu.

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Wasserspiele und Trinkbrunnen ausbauen

Paris hat 1.200 öffentliche Trinkbrunnen installiert, dazu kommen temporäre Nebelduschen und Wasserspiele auf Plätzen. Berlin hat zwar 200 Trinkbrunnen, aber die Dichte ist in Außenbezirken gering. Neue Brunnen werden nur langsam aufgestellt. Dabei helfen sie besonders älteren Menschen und Kindern, die oft nicht genug trinken. Eine Studie der TU Berlin zeigt, dass mehr Wasserspiele die gefühlte Temperatur in der Umgebung um 2 bis 3 Grad senken können.

Hitzewarnsysteme und Vernetzung

Paris nutzt ein Ampelsystem (grün, gelb, rot) für Hitzewellen und aktiviert dann automatisch Kühlräume in öffentlichen Gebäuden. Berlin hat zwar den Deutschen Wetterdienst, aber die Warnungen erreichen nicht alle Bürger. „Wir brauchen eine App, die Risikogruppen direkt warnt und konkrete Tipps gibt“, fordern Sozialverbände. Zudem fehlt eine zentrale Koordinierungsstelle, die Maßnahmen wie die Öffnung von Kirchen oder Bibliotheken als Kühlräume bündelt.

Stadtplanung gegen Hitzeinseln

Paris setzt auf helle Dächer und Fassaden, die Sonnenstrahlung reflektieren, und begrünte Innenhöfe. Berlin hat mit dem „Stadtentwicklungsplan Klima“ zwar Konzepte, doch die Umsetzung hapert. Neue Baugebiete wie in der Innenstadt werden oft ohne ausreichende Verschattung und Grünflächen geplant. Dabei ist bekannt, dass versiegelte Flächen die Temperatur in der Nacht um bis zu 8 Grad höher halten. Eine verbindliche Quote für begrünte Dächer und Fassaden wäre ein wichtiger Schritt.

Die Lehren aus Paris zeigen: Hitzeschutz ist kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Berlin muss jetzt handeln, bevor die nächste extreme Hitzewelle kommt. Der Senat hat einen Hitzeschutzplan angekündigt, aber konkrete Investitionen und gesetzliche Vorgaben fehlen noch.

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