Wenn sich die Wetterkarten ins Braunrote verfärben, schlägt die Stunde derer, die es ja schon immer gesagt haben. In der Hitze tropischer Nächte fühlen sich Besserwisser pudelwohl – doch selbst renommierte Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf klopfen Sprüche, die der Sache nicht helfen, wie eine Kolumne von Ullrich Fichtner kritisiert.
Die Stunde der Propheten
Fichtner beobachtet ein Phänomen: Sobald die Temperaturen steigen und die Nächte schwül werden, melden sich diejenigen zu Wort, die seit Jahren vor den Folgen des Klimawandels warnen. Sie fühlen sich bestätigt, doch ihre oft apodiktischen Aussagen verhindern eine konstruktive Debatte. Selbst ein Wissenschaftler wie Stefan Rahmstorp, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung arbeitet, verfalle in „Stammtischparolen“, so der Kolumnist.
Klimaforscher als Besserwisser?
Rahmstorf hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass Hitzewellen ohne Klimawandel „praktisch unmöglich“ seien. Fichtner hält solche Aussagen für kontraproduktiv: „Sie helfen der Sache nicht, weil sie die Diskussion polarisieren und den Eindruck erwecken, als sei jeder Zweifel an der Klimakatastrophe reine Ignoranz.“ Dabei gehe es nicht darum, den Klimawandel zu leugnen, sondern um eine sachliche Auseinandersetzung mit den komplexen Zusammenhängen.
Die Gefahr der Selbstgerechtigkeit
Laut Fichtner führt die selbstgerechte Art vieler Klimaaktivisten und -wissenschaftler dazu, dass die Debatte zunehmend dystopische Züge annimmt. Statt Lösungen zu suchen, werde vor allem Schuld zugewiesen. „In der Hitze tropischer Nächte fühlen sich Besserwisser pudelwohl“, schreibt er und meint damit jene, die jede Hitzewelle als Beleg für den nahenden Weltuntergang deuten.
Ein Appell für mehr Gelassenheit
Der Kolumnist plädiert für mehr Gelassenheit und eine Versachlichung der Klimadebatte. Es sei wichtig, die wissenschaftlichen Fakten anzuerkennen, aber ebenso wichtig, nicht in Alarmismus zu verfallen. „Die Klimakrise ist ernst genug, um sie nicht mit übertriebenen Prognosen zu diskreditieren“, so Fichtner. Nur so könne man die Gesellschaft mitnehmen und wirksame Maßnahmen ergreifen.



