Die Bundesanwaltschaft hat gegen den mutmaßlichen Nord-Stream-Saboteur Serhij K. nun auch den Vorwurf eines Kriegsverbrechens erhoben. Der 44-jährige Ukrainer sitzt seit vergangenem Jahr in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, eine zentrale Rolle bei den Sprengungen der Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 im September 2022 gespielt zu haben.
Neue Anklagepunkte
Bislang ging es in den Ermittlungen vor allem um Sabotage und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Nun hat die Behörde nach SPIEGEL-Informationen die Anklage um den Tatbestand des Kriegsverbrechens erweitert. Konkret wirft die Bundesanwaltschaft Serhij K. vor, durch die Zerstörung der Energieinfrastruktur gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen zu haben. Die Pipeline-Sprengungen hätten die Energieversorgung Europas gezielt beeinträchtigt und seien als Angriff auf zivile Einrichtungen zu werten.
Laut Ermittlern soll Serhij K. Teil eines Kommandos gewesen sein, das die Sprengsätze an den Pipelines anbrachte. Die Taten hätten zu erheblichen Umweltschäden und einer Destabilisierung der Energieversorgung geführt. Die Bundesanwaltschaft sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Genfer Konventionen.
Reaktionen und Ausblick
Die Verteidigung von Serhij K. hat die neuen Vorwürfe zurückgewiesen. Sein Anwalt erklärte: „Die Anschuldigungen sind haltlos. Mein Mandant bestreitet jede Beteiligung an den Sprengungen.“ Der Prozess soll vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Fall internationale Auswirkungen haben wird, da mehrere Staaten in die Ermittlungen involviert sind.



