Tour-Aus für Vingegaard: Radstars wettern gegen nächtliche Dopingkontrollen
Tour-Aus: Radstars kritisieren nächtliche Dopingkontrollen

Nach dem schweren Sturz von Jonas Vingegaard bei der Tour de France ist eine hitzige Debatte über nächtliche Dopingkontrollen entbrannt. Der zweimalige Tour-Champion aus Dänemark musste nach einem Unfall in einem Kreisverkehr auf der 19. Etappe mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben. Zuvor war er um 2 Uhr nachts von Dopingkontrolleuren geweckt worden. Viele Fahrer sehen einen Zusammenhang zwischen der Schlafunterbrechung und dem Sturz.

Evenepoel: „Unmenschlich und respektlos“

Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel, der die Etappe gewann, äußerte sich empört: „Ich kann nur sagen, dass es ziemlich respektlos ist, die Fahrer mitten in der Nacht zu wecken. Kontrollen um 2 und 5 Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können. Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen.“ Der Belgier bezeichnete die Vorgänge als „Schande“ und forderte ein Eingreifen der Fahrergewerkschaft CPA.

Evenepoel selbst konnte in der Nacht zuvor ungestört schlafen, während Vingegaard um 2 Uhr und der Gesamtführende Tadej Pogacar um 5 Uhr geweckt wurden. Pogacar zeigte Verständnis für die Kritik: „Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig. Schlaf ist wichtig. Die Erholung des Körpers ist entscheidend. Wenn man auch nur ein bisschen die Konzentration verliert … Und die Strecke dort in der Ortschaft war wirklich gefährlich.“

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Dopingkontrollen: Regeln und Ausnahmen

Üblicherweise finden Dopingkontrollen zwischen 6 Uhr und 23 Uhr statt. Nächtliche Kontrollen sind zwar erlaubt, aber an strengere Auflagen gebunden, etwa wenn konkrete Verdachtsmomente vorliegen. Im Fall von Vingegaard und Pogacar gab es offenbar keine besonderen Verdachtsmomente, was die Kritik der Fahrer zusätzlich nährt.

Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz, Vorjahresdritter, zeigte Verständnis für den Unmut seiner Kollegen: „Kontrolliert wird natürlich super viel bei der Tour, und ich glaube, da wird kein Team verschont. Natürlich ist es vielleicht ungünstiger morgens vor so einer harten Etappe. Gestern kamen wir super spät ins Hotel, und dann zählt natürlich jede Minute Schlaf. Da sind Kontrollen in der Nacht nicht ganz vorteilhaft.“

Vingegaard: „Sicher nicht förderlich“

Vingegaard selbst äußerte sich gegenüber dem dänischen Sender TV2 zu seinem Unfall: „Wir wollten den Etappensieg holen und sind vielleicht etwas zu schnell in diesen Kreisverkehr gefahren. Dann ist mir einfach das Vorderrad weggerutscht. Es blieb keine Zeit zu reagieren – so läuft es im Radsport manchmal. Ehrlich gesagt ist es einfach wahnsinnig schade für uns.“ Auf die Frage nach der Rolle der Dopingkontrolle sagte er: „Man kann wohl sagen, dass es sicher nicht förderlich war. Ob das der Grund ist, darüber wage ich nicht zu spekulieren. Es mag durchaus eine Rolle gespielt haben.“

Der 29-Jährige betonte, es gehe ihm „überraschend gut“ und fügte hinzu: „Zum Glück ist es nur ein Schlüsselbeinbruch.“

Forderung nach Konsequenzen

Evenepoel forderte drastische Maßnahmen: „Ehrlich gesagt: Wäre mir das passiert, würde ich mein Team heute Nacht losschicken, um die Verantwortlichen ebenfalls um 3 Uhr morgens zu wecken und ihnen am eigenen Leib spüren zu lassen, wie das ist – und ihnen mitten in der Nacht Blut abnehmen.“ Die Fahrergewerkschaft CPA steht nun unter Druck, die Richtlinien für nächtliche Kontrollen zu überprüfen und die Interessen der Fahrer besser zu schützen.

Der Sturz von Vingegaard und die anschließende Debatte werfen ein Schlaglicht auf die Belastungen der Fahrer bei der Tour de France, die neben den extremen körperlichen Anforderungen auch mit unkonventionellen Kontrollzeiten umgehen müssen. Ob die Kontrollen tatsächlich zum Sturz beigetragen haben, bleibt offen – fest steht jedoch, dass der Schlaf der Athleten ein entscheidender Faktor für ihre Sicherheit und Leistungsfähigkeit ist.

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