Waldbrand in Spanien: Zwölf Tote, 19 Vermisste – Falsche Fluchtroute wurde zur Falle
Waldbrand in Spanien: Zwölf Tote, 19 Vermisste

Bei den verheerenden Waldbränden in der andalusischen Provinz Almeria sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, 19 werden noch vermisst. Die Katastrophe ereignete sich rund um den Ort Los Gallardos, wie die Funke Mediengruppe berichtet. Unter den Todesopfern befinden sich vermutlich zahlreiche ausländische Touristen und Residenten, vor allem aus Großbritannien.

Feuer breitete sich extrem schnell aus

Der andalusische Zivilschutzminister Antonio Sanz berichtete von einem „sehr schnellen Brand mit einer extrem hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit“. Das Feuer habe sich in einem unübersichtlichen Berggebiet mit tiefen Schluchten und weit verstreuten Häusern ausgebreitet. Rund 1000 Einwohner und Urlauber mussten ihre Häuser und Ferienunterkünfte verlassen. Viele erlitten schwere Verbrennungen.

Das Feuer fraß sich vom tiefer gelegenen Los Gallardos (3100 Einwohner) hinauf in das zerklüftete Bergland um das Dorf Bedar auf 400 Meter Höhe. Tiefe Schluchten, trockene Flussbetten und steile Hänge erschwerten die Flucht und verhinderten vielerorts den Einsatz schwerer Fahrzeuge. Starker Wind begünstigte die Ausbreitung der Flammen.

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3150 Hektar Land verbrannt

Nach ersten Schätzungen erfasste das Feuer eine Fläche von mehr als 3150 Hektar, was etwa ebenso vielen Fußballfeldern entspricht. Annähernd 500 Feuerwehrleute und Soldaten kämpften gegen die Flammen, unterstützt von mehreren Löschflugzeugen und Hubschraubern.

Die meisten Opfer wurden auf der Flucht von den Flammen eingeschlossen. Vier Leichen wurden in einem ausgebrannten Auto gefunden. Da sich das Lenkrad auf der rechten Seite befand, vermuten die Behörden, dass die Insassen aus Großbritannien stammten. In dem Ort hielten sich viele britische Urlauber auf. Weitere Opfer hatten ihre Fahrzeuge verlassen und waren zu Fuß weitergegangen. Auch bei ihnen soll es sich überwiegend um Ausländer handeln. Eine offizielle Identifizierung stand noch aus.

Falsche Route wurde zur Falle

Als die Flammen immer näher an die Häuser von Bedar (950 Einwohner) rückten, versuchten einige Menschen, mit Autos oder zu Fuß zu fliehen. Sie nahmen jedoch nicht die von den Einsatzkräften ausgewiesene Fluchtroute, sondern fuhren über ein trockenes Flussbett und kleinere Wege. „Die Entscheidung, einen anderen Weg als die Evakuierungsroute zu nehmen, wurde für sie zur Falle“, sagte Zivilschutzminister Sanz.

Der Brand gilt bereits jetzt als das tödlichste Feuer in Andalusien seit Beginn der Aufzeichnungen. Sanz bezeichnete das Unglück als „beispiellose Tragödie“. „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unsere Herzen sind bei Almeria und allen Betroffenen.“

Umgestürzter Strommast als Brandursache

Der Bürgermeister des ebenfalls betroffenen Ortes Antas berichtete, das Feuer habe seine Gemeinde in der Nacht zum Freitag überrascht. Ein Teil der Dorfbewohner hatte in einem ehemaligen Kloster Schutz gesucht. „Wir hoffen, dass dieser verheerende Brand mithilfe des Militärs und der Löschflugzeuge bald unter Kontrolle gebracht werden kann“, sagte Rathauschef Pedro Ridao Zamora.

Der Bürgermeister von Los Gallardos, Francisco Miguel Reyes, sprach von „enormem Schmerz und großer Bestürzung“. Das Schlimmste sei, dass es Tote gibt. Der Ministerpräsident der Region Andalusien, Juan Manuel Moreno, sagte am Freitag, mögliche Ursache sei ein umgestürzter Strommast. „Alles deutet darauf hin – auch wenn dies noch untersucht werden muss –, dass der Brand durch den Fall einer Stromleitung ausgelöst wurde“, so Moreno. In diesem Fall müsse geklärt werden, wer für deren Wartung verantwortlich gewesen sei.

Königspaar und Premier zeigen Bestürzung

Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia zeigten sich „zutiefst erschüttert über die Tragödie des Brandes von Los Gallardos“. Ihre Trauer gelte den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen. Auch Premier Pedro Sanchez äußerte „große Trauer und Bestürzung über die schrecklichen Folgen des Brandes“ und sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

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Spanien leidet seit Tagen unter einer extremen Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad. Die ausgetrocknete Vegetation und der Wind begünstigen die rasche Ausbreitung der Flammen. Auch in anderen Regionen kämpfen die Feuerwehren gegen Waldbrände. In Benahavis bei Malaga mussten rund 1000 Bewohner und Feriengäste vorsorglich ihre Häuser verlassen, darunter eine Wohnanlage und ein Luxusferienkomplex. In Katalonien wurden mehrere Brände inzwischen unter Kontrolle gebracht oder stabilisiert.