Ukrainische Marine: Fünf Tote bei russischem Raketenangriff auf türkischen Frachter
Fünf Tote bei russischem Raketenangriff auf türkischen Frachter

Bei einem russischen Raketenangriff auf ein türkisches Frachtschiff sind nach ukrainischen Angaben fünf Besatzungsmitglieder getötet worden. Die ukrainische Marine erklärte am Sonntag, Russland habe die „Golden Leo“ mit drei Marschflugkörpern beschossen, als der Frachter dabei gewesen sei, „das Kampfgebiet“ zu verlassen. Fünf Besatzungsmitglieder würden noch vermisst, acht Menschen seien in ein Krankenhaus der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer gebracht worden.

Schwere Raketenangriffe auf Kyjiw und Odessa

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in der Nacht zu Sonntag mit einem der schwersten ballistischen Raketenangriffe seit Beginn des Krieges überzogen. Dabei seien mindestens ein Mensch getötet und 16 weitere Menschen verletzt worden, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Nach Angaben von Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko wurden bei der Attacke mit 41 Raketen verschiedener Typen Wohngebäude, Lagerhallen, ein Supermarkt und ein Wohnheim beschädigt. Drei Verletzte befänden sich in einem kritischen Zustand. Die ukrainische Flugabwehr konnte nach Militärangaben 18 der Raketen abfangen. Zudem seien 108 von insgesamt 125 russischen Drohnen abgeschossen worden. Russland hatte seine Angriffe auf Kyjiw zuletzt verstärkt.

Der geschäftsführende Außenminister Andrij Sybiha sprach vom schwersten ballistischen Raketenangriff seit Kriegsbeginn. Er bezeichnet das russische Vorgehen als brutalen Terror und fordert mehr Druck auf die Führung in Moskau. Russland hat im fünften Kriegsjahr seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kyjiw und andere Städte in den vergangenen Wochen verstärkt. Die Ukraine leidet zugleich unter einem erheblichen Mangel an Luftabwehrraketen, was den Druck auf die westlichen Partner für beschleunigte Lieferungen erhöht. „Der Schutz vor ballistischen Raketen ist derzeit unsere ständige und oberste Priorität“, erklärte Selenskyj am Sonntag auf der Online-Plattform X. Abfangraketen würden täglich benötigt.

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Tote und Verletzte nach Bombenangriffen auf Kramatorsk

Bei russischen Bombenangriffen auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Die russische Luftwaffe habe drei Gleitbomben abgeworfen. Filaschkin forderte die verbliebenen Einwohner ein weiteres Mal zur Flucht aus den frontnahen Gebieten auf. Kramatorsk ist nur etwas mehr als zwölf Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Infolge von russischen Raketenangriffen sind in der südukrainischen Hafenstadt Odessa mindestens zwei Menschen getötet worden. Weitere vier seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper, bei Telegram mit. Eine Rakete sei in einem Vergnügungspark eingeschlagen. Unter den Trümmern von Fischerhäusern könnten noch weitere Opfer sein. Sechs Autos seien beschädigt worden. Einen weiteren Verletzten gab es demnach in einem anderen, nicht genannten Ort des Gebiets. Dabei seien auch ein Wohnhaus und zwei Autos beschädigt worden.

Ukrainische Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj drei Öldepots und ein Treibstofflager in der südrussischen Kaukasus-Region Stawropol attackiert. Zudem seien drei russische Tanker der sogenannten Schattenflotte im Schwarzen Meer getroffen worden, teilte Selenskyj auf der Online-Plattform X mit. Die Angriffe auf die Öldepots seien vom ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU ausgeführt worden, während Einheiten der Streitkräfte das Treibstofflager attackiert hätten. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Die ukrainischen Streitkräfte haben in der Nacht zum Sonntag nach eigenen Angaben zwei russische Öltanker im Schwarzen Meer angegriffen. Zudem sei ein Schwimmkran im Asowschen Meer getroffen worden, teilt der ukrainische Generalstab mit. Alle drei Ziele seien zur Unterstützung der russischen Kriegsanstrengungen in der Ukraine genutzt worden, heißt es in der Erklärung weiter. Die Ukraine hat bei ihren Angriffen auf die russische Öl-Infrastruktur neben Raffinerien zuletzt auch verstärkt Tanker im Schwarzen Meer ins Visier genommen.

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Oppositionspolitiker Nadeschdin zieht Kandidatur zurück

Der russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin verzichtet auf eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen im September. „Meine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Wege Oppositionspolitik zu betreiben, sind ausgeschöpft“, schrieb der kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilte Nadeschdin am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Er sei „zum Schweigen gebracht“ und „aus der Politik gedrängt“ worden. „Ich bin nicht bereit, all jene in Gefahr zu bringen, die mich unterstützen und an meinem Wahlkampf teilgenommen haben“, schrieb der 63-Jährige weiter. „Wir werden nicht bei der Wahlkommission die aberhunderten Unterschriften überreichen, die wir gesammelt haben.“ Nadeschdin war am Freitag wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny zu einer Geldstrafe verurteilt worden, der Vorwurf lautete Zurschaustellung „extremistischer Symbole“.

Politische Entwicklungen und Forderungen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Ukraine-Hilfen künftig als sogenannte Bereichsausnahme zu definieren, die von der Schuldenbremse ausgenommen ist. Er halte das „für eine sinnvolle Idee“, sagte Wadephul den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben). „Darüber muss jetzt in der Koalition diskutiert und im Herbst entschieden werden.“ Zuvor hatte das bereits Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) gefordert. Wadephul zeigte sich außerdem überzeugt, dass der seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine massiv gestiegene Verteidigungsetat nicht dauerhaft so hoch bleiben werde. „Wir haben jetzt eine Sondersituation, weil es vorherige Versäumnisse aufzuholen gilt“, sagte er dem RND.

Vor dem Hintergrund von anhaltenden Protesten gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit Militärs geführt. „Natürlich höre ich, was die Leute sagen“, versicherte der Staatschef in einer Videoansprache. Dabei habe er auch „lange“ mit Fedorow und ebenso mit Armeechef Olexander Syrskyj gesprochen. „Entscheidungen bezüglich der Armee werden ausgearbeitet“, versprach Selenskyj, ohne Details zu nennen. Parallel dazu demonstrierten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Städten den dritten Tag in Folge wieder mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung. Die Hauptforderung war dabei aber inzwischen eine Ablösung von Armeechef Syrskyj.