Der Irankrieg entwickelt sich zum nachhaltigen Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft. Die jüngste Umfrage für das Deka-S-Finanzklima im zweiten Quartal 2026 unter den deutschen Sparkassen zeigt eine deutliche Verschlechterung der Konjunkturerwartungen, die die Investitionsbereitschaft und damit die Kreditnachfrage drückt. Der Indikator, berechnet von der Dekabank, dem Wertpapierdienstleister der Sparkassen, und regelmäßig vom Handelsblatt veröffentlicht, sank auf 78,1 Punkte – den tiefsten Stand seit dem ersten Quartal 2023 und weit in der pessimistischen Zone.
Rückgang so stark wie beim Ukrainekrieg
Mit einem Minus von 21,5 Punkten fiel der Rückgang des Stimmungsindex im zweiten Quartal ähnlich drastisch aus wie nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs. „Dies unterstreicht, wie stark der Krieg gegen den Iran die Wirtschaft belastete und vor allem verunsicherte“, sagt Reinhold Rickes, Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Solche Zeiten der Unsicherheit sind für Investitionen Gift, ein Unternehmen investiert nur dann in neue Maschinen, wenn absehbar ist, dass mit diesen die Investitionskosten wieder erwirtschaftet werden können“, ergänzt Rickes. Diese Planbarkeit sei gegenwärtig oftmals nicht gegeben.
Hintergrund: Von Reformhoffnungen zu geopolitischen Krisen
In der zweiten Jahreshälfte 2025 waren es noch enttäuschte wirtschaftspolitische Reformhoffnungen, die die Stimmung unter den Sparkassenvorständen in Deutschland belastet hatten. Im Jahresverlauf 2026 kamen der militärische Konflikt im Persischen Golf und die Blockade der Energietransporte durch die Straße von Hormus hinzu. Der jüngste Schwenk zu Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA fiel nicht mehr in den Zeitraum der jüngsten Befragung.
Kreditklima verbessert sich trotz geringerer Nachfrage
Trotz des Rückgangs der Kreditnachfrage berichten die Manager der Sparkassen-Finanzgruppe, dass die Kreditvergabebereitschaft der Sparkassen nur unwesentlich zurückgegangen ist. Dadurch hat sich das Kreditklima insgesamt verbessert, also die Gefahr einer Kreditklemme verringert. Rickes hofft nun, dass die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zu mehr geoökonomischer Stabilität führen und auch die deutsche Wirtschaft dann wieder an Schwung gewinnt. „Von hier aus kann es nur besser werden“, heißt es in der Mitteilung zum S-Finanzklima.
Positive Signale aus der Euro-Zone
Für Optimismus sprechen auch aktuelle Zahlen aus der Euro-Zone. Laut den jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen in der Währungsunion im Mai so stark zugelegt wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Institute reichten demnach vier Prozent mehr Darlehen an Firmen aus als vor Jahresfrist. Im April hatte es ein Plus von 3,4 Prozent gegeben. Die Kreditvergabe an private Haushalte legte im Mai um 3,1 Prozent zu.



