Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin hat Schleswig-Holstein Trauerbeflaggung angeordnet. Innenministerin Magdalena Finke (CDU) verfügte, dass die Fahnen an öffentlichen Gebäuden im Land auf halbmast gesetzt werden. Die Maßnahme gilt als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und Verletzten der Tat.
Ein Toter und 29 Verletzte bei Angriff im Tiergarten
Ein 21-jähriger Autofahrer war am Samstagabend, dem 26. Juli 2026, im Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren, die sich am Rande des CSD versammelt hatte. Anschließend stieg er aus und griff mit einer Stichwaffe – mutmaßlich einer Machete – weitere Passanten an. Bei dem Angriff kam eine Frau ums Leben, 29 weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der mutmaßliche Täter wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Die Behörden gehen von einem islamistischen Hintergrund aus. Die Ermittlungen zu den genauen Motiven dauern an. Der Attentäter war den Sicherheitsbehörden bislang nicht als Islamist bekannt gewesen.
Finke: „Wir werden nicht dulden, dass Menschen eingeschüchtert werden“
Innenministerin Finke zeigte sich bestürzt über die Tat. „Meine Gedanken sind bei der Verstorbenen, den Schwerverletzten sowie ihren Familien und Freundinnen und Freunden“, sagte sie. Sie betonte, dass Schleswig-Holstein die CSD-Veranstaltungen im Land schützen werde. „Für Schleswig-Holstein gilt: Wir schützen die Christopher Street Days in unserem Land.“
Bereits jetzt existieren für alle CSD-Veranstaltungen Sicherheitskonzepte. Diese sollen nun weiter verschärft werden. Die bestehenden Pläne umfassen Absperrungen, Taschenkontrollen und eine erhöhte Polizeipräsenz. Nach dem Anschlag werden die Maßnahmen noch einmal überprüft und an die neue Bedrohungslage angepasst. Finke kündigte an, selbst an einem der nächsten CSDs in Schleswig-Holstein teilzunehmen, um ihre Solidarität mit der queeren Community zu zeigen. „Wir werden nicht dulden, dass Menschen eingeschüchtert werden, weil sie frei, offen und selbstbestimmt leben und lieben wollen“, unterstrich die Ministerin.
Auch Sachsen ordnet Trauerbeflaggung an
Neben Schleswig-Holstein reagierte auch Sachsen mit einer Trauerbeflaggung auf den Anschlag. Die Landesregierung in Dresden ordnete ebenfalls an, die Fahnen auf halbmast zu setzen, wie aus Kreisen des Innenministeriums verlautete. Die Sicherheitsbehörden in mehreren Bundesländern prüfen derzeit, ob zusätzliche Maßnahmen für bevorstehende CSD-Veranstaltungen notwendig sind. In Schleswig-Holstein stehen in den kommenden Wochen CSD-Veranstaltungen in Kiel, Lübeck und Flensburg an. Die Organisatoren arbeiten eng mit der Polizei zusammen, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.
Solidaritätsbekundungen aus der Politik
Zahlreiche Politikerinnen und Politiker aus dem ganzen Land verurteilten den Angriff und sprachen den Opfern ihr Mitgefühl aus. Das Bundesinnenministerium und die Queer-Beauftragte der Bundesregierung zeigten sich erschüttert. An den CSD-Veranstaltungen in den kommenden Wochen soll es vielerorts Schweigeminuten geben. Der Vorfall wirft erneut die Frage nach dem Schutz von Großveranstaltungen auf. Experten fordern eine verstärkte polizeiliche Präsenz bei Events mit hohem Symbolwert, insbesondere bei queeren Veranstaltungen, die immer wieder Ziel von Hass und Gewalt werden. Die Polizei in Berlin ermittelt weiter zu den Hintergründen der Tat und prüft Verbindungen in die radikale Szene.



