In einem Interview mit Thomas Kausch hat der muslimische Psychologe und Extremismus-Experte Ahmad Mansour seine tiefe Besorgnis über die Radikalisierung junger Menschen im Islam geäußert. „Wir stehen vor einer Welle der Radikalisierung“, warnte Mansour mit Blick auf den jüngsten Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin. Der Anschlag, bei dem mehrere Menschen getötet und verletzt wurden, hat die Debatte über islamistischen Extremismus in Deutschland neu entfacht.
Mansours Analyse der Radikalisierung
Mansour, der selbst muslimische Wurzeln hat, betonte, dass die Radikalisierung junger Muslime kein neues Phänomen sei, aber an Dynamik gewinne. „Wir sehen eine Verrohung der Sprache, eine zunehmende Entfremdung von der deutschen Gesellschaft und eine Verherrlichung von Gewalt in sozialen Medien“, erklärte er. Der Experte wies darauf hin, dass viele der Täter aus sogenannten „Parallelgesellschaften“ stammen, in denen extremistische Ideologien ungehindert verbreitet werden könnten.
Mansour forderte eine konsequentere Präventionsarbeit und eine bessere Integration. „Es reicht nicht, nur auf Sicherheitsbehörden zu setzen. Wir müssen in Bildung investieren und den Dialog mit muslimischen Gemeinden suchen“, sagte er. Der 27. Juli 2026, der Tag des Anschlags, markiere einen Wendepunkt: „Jetzt muss die Politik handeln, bevor die nächste Welle kommt.“
Reaktionen aus der Politik
Auch andere Politiker äußerten sich zu dem Anschlag. Der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte: „Alles deutet auf einen Terroranschlag hin.“ Er kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief bei einem Gottesdienst zur Zuversicht auf: „Feiern Sie wieder!“, appellierte er an die Bevölkerung. Polizeigewerkschafter Heiko Teggatz kritisierte derweil die Datenschutzbestimmungen als Hindernis für die Ermittlungen: „Wir haben ein riesiges Problem mit dem Datenschutz.“
Die Polizei rekonstruierte die Route des Attentäters, der mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge raste. Zeugen berichteten, dass mutige Strandbesucher dem Täter die Waffe entrissen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Der Täter, ein 29-jähriger Islamist, war den Behörden bereits bekannt.
Gesellschaftliche Auswirkungen
Der Anschlag hat die LGBTQ+-Community und die gesamte Stadt Berlin erschüttert. Der CSD, der für Toleranz und Vielfalt steht, wurde zum Ziel eines brutalen Angriffs. Mansour warnte davor, dass die Radikalisierung nicht nur von außen, sondern auch von innen komme: „Viele junge Muslime sind hin- und hergerissen zwischen ihrer Herkunft und der deutschen Gesellschaft. Extremisten nutzen diese Identitätskrise aus.“
Statistiken des Bundeskriminalamts zeigen, dass die Zahl islamistisch motivierter Straftaten in den letzten Jahren gestiegen ist. Allein 2025 wurden 1.200 solcher Taten registriert, ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mansour forderte eine nationale Strategie, die Prävention, Deradikalisierung und Integration umfasst.
Ausblick
Der Experte bleibt pessimistisch, solange die strukturellen Probleme nicht angegangen werden. „Wir müssen die Wurzeln des Extremismus bekämpfen: Diskriminierung, Perspektivlosigkeit und mangelnde Teilhabe“, sagte Mansour. Der CSD-Anschlag sei ein Weckruf, den die Gesellschaft nicht ignorieren dürfe.



