Neuer Armeechef will Luftangriffe auf Russland verstärken – Selenskyj bekommt Patriot-Lizenzen
Neuer Armeechef will Luftangriffe verstärken – Selenskyj erhält Patriot-Lizenzen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat von US-Präsident Donald Trump die Zusage für Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen erhalten. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte Selenskyj im Interview des Fox-News-Moderators Sean Hannity. Die Ukraine hofft, durch die eigene Produktion die dringend benötigten Abwehrraketen schneller herstellen zu können. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine dpa-Anfrage. Die Patriot-Systeme sind das einzige wirksame Mittel gegen Russlands ballistische Raketen. Bereits im Frühjahr hatte Selenskyj beklagt, dass die Ukraine kaum noch Munition dafür habe – der US-Krieg gegen den Iran hatte die weltweiten Bestände weiter verknappt.

Selenskyj und Trump: Gespräch über Flugabwehr und Frieden

Ein Tag zuvor hatte Selenskyj sich noch vorsichtiger geäußert. Bei dem Treffen im Weißen Haus hätten er und Trump über die Luftabwehr gesprochen. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Das Gespräch fand hinter verschlossenen Türen statt und endete nach gut einer Stunde. Trump bezeichnete das Treffen auf seiner Plattform Truth Social als „sehr gut“. Auch Selenskyj nannte es in dem Interview „sehr gut“. Neben den Patriot-Lizenzen sei es auch um die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland gegangen: „Wir haben auch über Diplomatie gesprochen – es ist wichtig, den diplomatischen Prozess zu intensivieren“, so Selenskyj auf Telegram.

Neuer Armeechef Drapatyj: Ausweitung von Angriffen auf russisches Hinterland

Der neue Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Mychajlo Drapatyj, hat in seinem ersten Telefonat mit dem Nato-Oberbefehlshaber General Alexus Grynkewich die zentralen Aufgaben der ukrainischen Armee skizziert. Drapatyj, der seit etwas mehr als einer Woche im Amt ist, nannte die Verstärkung militärischer Operationen in verschiedenen Bereichen, die Abwehr kleiner russischer Einheiten, die in ukrainische Verteidigungslinien einzudringen versuchen, sowie den Ausbau von Angriffen mittlerer und großer Reichweite. „Die Ukraine muss eigene Technologien und asymmetrische Ansätze einsetzen, um Russlands militärisches und wirtschaftliches Potenzial zu verringern“, teilte Drapatyj auf seinem offiziellen Viber-Kanal mit.

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Unterstützt wird diese Strategie vom neuen ukrainischen Verteidigungsminister Jewhenij Chmara. In einem Interview mit der US-Bloggerin Laura Loomer erklärte er, dass die Ukraine nicht über genügend Ressourcen verfüge, um jeden russischen Angriff mit einem vergleichbaren Gegenschlag zu beantworten. Deshalb setze man auf asymmetrische Kriegsführung: Angriffe mit großer Reichweite, insbesondere auf Ölraffinerien und andere Infrastruktur, sollten Russland deutlich höhere wirtschaftliche und militärische Schäden zufügen, als ihre Durchführung die Ukraine kostet.

Russische Offensive im Donbass verstärkt

Indes verstärken die russischen Truppen ihre Offensive auf die Stadt Kostjantyniwka, rund 20 Kilometer südlich von Kramatorsk. Die Stadt sichert die südlichen Zugänge zum wichtigsten ukrainischen Verteidigungszentrum im Norden des Gebiets Donezk. Nach Angaben des ukrainischen Analyseprojekts DeepState versuchen kleine russische Infanteriegruppen, in die Stadt einzudringen. Gleichzeitig würden Kostjantyniwka und die umliegenden Orte massiv beschossen. Ziel der Offensive könnte ein schrittweises Vorrücken auf Kramatorsk und Slowjansk sein, die größten urbanen Zentren im ukrainisch kontrollierten Teil des Donbass. Auch nördlich, im Frontabschnitt zwischen Lyman und Bachmut, bereite Russland offenbar Angriffe vor, um die ukrainische Verteidigung auseinanderzuziehen.

Russland rückt zudem an einem neuen Abschnitt der Grenze zur Region Charkiw vor. Laut DeepState haben russische Einheiten nahe dem Dorf Artilne rund 4,7 Quadratkilometer besetzt. Der ukrainische Grenzschutz hatte bereits gemeldet, dass Russland an einem weiteren Abschnitt aktiver geworden sei und versuche, Schwachstellen zu finden.

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Haftbefehl gegen Telegram-Gründer – Wildberries evakuiert

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach Angaben der Agentur Interfax einen internationalen Haftbefehl gegen den Telegram-Gründer Pawel Durow erlassen. Ihm werde die Ermöglichung terroristischer Aktivitäten vorgeworfen. Telegram-Kanäle werden im Krieg von beiden Seiten genutzt. In einem weiteren Vorfall evakuierte der russische Online-Händler Wildberries sein Logistikzentrum in der zentralrussischen Stadt Rjasan. Die Regierung der Oblast Rjasan hatte zuvor mitgeteilt, mehrere Industrieanlagen seien nach einem Drohnenangriff in Brand geraten. Wildberries hat wiederholt ukrainische Drohnenangriffe auf seine Lagerhäuser gemeldet.

Ukraine vermeidet Eskalation mit Iran nach Angriff auf Frachter

Nach einem ukrainischen Angriff auf einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer will Kyjiw eine „unnötige Eskalation“ mit Teheran vermeiden. Außenminister Andrij Sybiha habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi klargemacht, dass alle Handlungen der Ukraine der Verteidigung gegen die russische Aggression dienten. Sybiha rief dazu auf, die Unterstützung für Russlands Krieg zu beenden. Araghtschi teilte mit, Sybiha habe den Angriff als „unbeabsichtigt“ bezeichnet – die Ukraine strebe keine Eskalation an. Der Iran drohte zuvor mit „nicht vorhersehbaren“ Folgen. Der ukrainische Angriff richtete sich nach Präsident Selenskyj gegen Schiffe, die „für den Transport militärischer Fracht mit Beteiligung des Iran genutzt wurden“. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben.

Kreml: 200.000 Freiwillige – keine Mobilmachung

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, gab bekannt, dass sich im ersten Halbjahr rund 200.000 Freiwillige für den Krieg gemeldet hätten. Diese Zahl ist nicht überprüfbar. Medwedew wies Behauptungen über eine geplante Mobilmachung als Lügen und Provokationen des Feindes zurück. „Es besteht keinerlei Notwendigkeit für eine Mobilmachung“, sagte er. Die Angst vor einer Zwangsrekrutierung ist in Russland dennoch weit verbreitet. Die Behörden locken Freiwillige mit hohen Prämien.

Kraftstoffverkauf in Russland wieder normalisiert

Nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien hatten mehrere russische Regionen den Kraftstoffverkauf eingeschränkt. Nun sind die Begrenzungen in mindestens sieben Regionen wieder aufgehoben oder gelockert worden, darunter Moskau und St. Petersburg. Vizeregierungschef Alexander Nowak sprach von einer „schrittweisen“ Stabilisierung. Mehrere Raffinerien hätten ihre Tätigkeit wieder aufgenommen.

Neue US-Sanktionen gegen Russland in Aussicht

US-Senatoren beider Parteien haben sich auf ein Gesetz geeinigt, das Russland durch neue Sanktionen unter Druck setzen soll. Es zielt vor allem auf Erdgas- und Ölexporte und ermächtigt den Präsidenten, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen. Das Gesetz könnte die Handelsbeziehungen zu China und Indien belasten. Trump hat bereits angekündigt, es zu unterzeichnen.

Die Lage in der Ukraine bleibt angespannt. Während die eigene Rüstungsproduktion gestärkt werden soll, fordern die neuen Militärführer mehr asymmetrische Angriffe. Gleichzeitig rückt Russland im Donbass und bei Charkiw vor – ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht.