Der ukrainische Botschafter in Großbritannien und ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, hat gegenüber Präsident Wolodymyr Selenskyj offenbar zugegeben, bei einer künftigen Wahl für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen. Dies berichtet die „Ukrainska Prawda“ unter Berufung auf ein Treffen Selenskyjs mit seinem engsten Zirkel im Juni, bei dem es um künftige Wahlen und die Beliebtheitswerte von Selenskyj, Geheimdienstchef Kyrylo Budanow und Saluschnyj ging.
Militärs als politische Klasse
Saluschnyj genoss während seiner Zeit als Oberbefehlshaber große Beliebtheit in der Bevölkerung – ein Grund, weshalb Selenskyj ihn nach London entsandte. Analysten vermuten, dass ehemalige Militärs in der Ukraine zunehmend politische Rollen übernehmen könnten, da das Vertrauen in die Armee mit 94 Prozent deutlich höher liegt als das in den Präsidenten (61 Prozent) oder die Regierung (23 Prozent).
Ob sich daraus eine politische Klasse von Veteranen entwickelt, wie in Russland versucht, oder ob es bei einzelnen Persönlichkeiten bleibt, ist noch offen. Allerdings könnten solche Akteure die Nachkriegstransformation des Landes effektiv gestalten – eine Entwicklung, die Selenskyj laut Analysen weniger gefallen dürfte.
Russland beschießt Tankstellen in der Ukraine
In der Nacht zum 3. Juli haben russische Luftangriffe im Gebiet Dnipropetrowsk fünf Tankstellen getroffen. Gouverneur Olexander Hanscha teilte auf Telegram mit, dass mehrere Brände ausgebrochen seien. Eine Frau wurde getötet, drei Menschen erlitten Verletzungen. Die Angriffe erfolgten offenbar mit Brandmunition, die von Drohnen abgeworfen wurde.
Unterdessen setzen russische Truppen in der Region Cherson gezielt landwirtschaftliche Flächen mit Brandmunition in Brand, wie Wiktor Hordijenko, Vorsitzender des Bauernverbandes der Region Cherson, auf Facebook mitteilte.
Ukrainische Drohnen treffen russische Diesel-Exporte
Ukrainische Drohnenangriffe auf wichtige Raffinerien haben Russlands Diesel-Exporte auf dem Seeweg im Juni drastisch sinken lassen. Laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG und von Marktteilnehmern brachen die Exporte von Diesel und Gasöl im Vergleich zum Vormonat um 39 Prozent auf rund 1,8 Millionen Tonnen ein.
Satellitenbilder bestätigen zudem Schäden am russischen Rüstungswerk Titan-Barikady in Wolgograd nach einem Angriff mit ukrainischen FP-5-„Flamingo“-Raketen in der Nacht zum 27. Juni. Die am 1. Juli veröffentlichten Aufnahmen zeigen Zerstörungen auf dem Werksgelände.
Russland stellt Infrastruktur zur Krim wieder her
Nach ukrainischen Angriffen auf die Verkehrsinfrastruktur hat Russland begonnen, die logistische Verbindung zur besetzten Krim eilig wiederherzustellen. Laut einer Auswertung von Satellitenbildern durch Radio Free Europe/Radio Liberty haben die Besatzer unter anderem zwei neue Brücken errichtet, die den besetzten Teil der Region Cherson mit der Halbinsel verbinden.
Serbiens Präsident kopiert Putins Rochade-Taktik
Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat seinen Rücktritt angekündigt, bleibt dabei aber vage. Analysten vermuten, dass Vučić Ministerpräsident werden will – ein Manöver, das an die Rochade von Kremlchef Wladimir Putin und Dmitri Medwedew im Jahr 2008 erinnert. Der Westbalkan-Experte Vedran Džihić kommentierte: „Das Manöver gleicht einer Harakiri-Aktion.“



