Die Bürgermeisterin des Istanbuler Bezirks Üsküdar, Sinem Dedetas von der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), ist bei einer Razzia gemeinsam mit fünf weiteren Personen festgenommen worden. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft führt Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bestechung, Amtsmissbrauch und Gründung einer kriminellen Vereinigung, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.
Wer ist Sinem Dedetas?
Die 45-jährige Politikerin wurde 2024 mit rund 50 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin von Üsküdar gewählt. Zuvor war der Bezirk 30 Jahre lang von der regierenden AKP und deren Vorgängerpartei regiert worden. Dedetas ist die erste Frau in diesem Amt und setzte sich mit einem Vorsprung von sieben Prozent gegen den AKP-Kandidaten durch.
Dedetas ist seit 2011 in der CHP aktiv. Von 2014 bis 2016 war sie als erste Frau Vorstandsvorsitzende der türkischen Schiffsingenieurskammer. 2019 wurde sie Generaldirektorin der Istanbuler Fährbetriebe, die der Stadtverwaltung unterstehen. Um als Bürgermeisterkandidatin im konservativ geprägten Bezirk Üsküdar antreten zu können, in dem auch die private Residenz von Präsident Recep Tayyip Erdoğan liegt, gab sie ihren Job 2023 auf.
Hintergrund der Festnahmen
Die Festnahmen in den von der Opposition regierten Istanbuler Rathäusern begannen im Herbst 2024. Bei den Kommunalwahlen hatte die CHP erstmals mehr Stimmen als die regierende AKP erhalten. Die Inhaftierung und Absetzung des CHP-Bürgermeisters der Metropole Istanbul, Ekrem İmamoğlu, führten im Frühjahr 2025 zu landesweiten Protesten. Kritiker und Oppositionsvertreter bewerten die zahlreichen Razzien und Inhaftierungen als Mittel der Regierung, die politische Konkurrenz zu schwächen. Regierungsvertreter bestreiten dies und verweisen auf die Unabhängigkeit der Justiz.
Im Fall von Sinem Dedetas betont die Staatsanwaltschaft, dass die Ermittlungen auf konkreten Beweisen beruhten. Die Opposition hingegen spricht von einer gezielten Kampagne gegen gewählte CHP-Vertreter. Die Festnahme von Dedetas ist die jüngste in einer Reihe von Aktionen gegen lokale Oppositionspolitiker in der Türkei.



