Nach einem mutmaßlich iranischen Drohnenangriff auf ein Frachtschiff im Golf von Oman hat Teheran bekräftigt, dass Durchfahrten durch die Straße von Hormus nur auf von der Islamischen Republik festgelegten Routen sicher seien. Der stellvertretende Außenminister Kasem Gharibabadi warnte am Freitag auf X, eine sichere Passage könne ohne Koordination mit Teheran nicht garantiert werden; bei fehlender Absprache drohe die Sperrung ausgewiesener Routen.
Angriff auf Frachtschiff und Reaktion der IMO
Der Angriff ereignete sich am 25. Juni 2026 vor der Küste Omans, wenige Stunden nachdem die iranischen Revolutionsgarden ähnliche Warnungen ausgesprochen hatten. US-Medien zitierten US-Beamte, wonach eine Drohne der Revolutionsgarden das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff traf. Die britische UKMTO meldete einen Treffer durch ein „unbekanntes Projektil“, das die Brücke beschädigte; Verletzte gab es nicht. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO setzte daraufhin vorläufig die Evakuierung von Schiffen rund um die Meerenge aus. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, man müsse prüfen, „ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind“. Das angegriffene Schiff habe nicht zum Evakuierungsplan gehört.
Iranische Behörde: Keine Garantie außerhalb genehmigter Routen
Die für den Persischen Golf zuständige iranische Behörde PGSA bekräftigte am Donnerstag auf X, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen durch die Garantie sicherer Passagen abgedeckt seien. Jegliche Konsequenzen aus der Befahrung nicht genehmigter Routen lägen in der „alleinigen Verantwortung des Schiffseigners, des Charterers und des Kapitäns“. Zuvor hatte Oman in Absprache mit der IMO temporäre Routen für die Durchfahrt festgelegt. Das iranische Außenministerium wies eine gemeinsame Erklärung der USA und des Golf-Kooperationsrates (GCC) als „interventionistisch, unverantwortlich und provokativ“ zurück und bekräftigte die Position, dass die Meerenge gemeinsam vom Iran und Oman verwaltet werden sollte.
Auswirkungen auf Schifffahrt und erste Normalisierung
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zeigt laut Analysen erste Anzeichen einer Normalisierung. Der Datenanbieter Kpler zählte am Mittwoch 70 Durchfahrten, vor dem Iran-Krieg waren es täglich mehr als 100. Der Anbieter Windward sprach von einer Annäherung an „funktionelle Normalität“ und berichtete von mehr Aus- als Einfahrten; China sei das Hauptzielland für ölexportierende Schiffe. Die deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd hat unterdessen alle im Persischen Golf aufgehaltenen Schiffe freibekommen. Eine Sprecherin erklärte, alle Frachter hätten die Region nach sorgfältiger Bewertung der Sicherheitslage und in enger Abstimmung mit Behörden und Sicherheitspartnern verlassen. Vor zwei Wochen waren noch vier Schiffe mit 150 Seeleuten festgesteckt.
Gebührenstreit: Rubio warnt vor Präzedenzfall
US-Außenminister Marco Rubio warnte am Donnerstag beim Treffen des Golf-Kooperationsrates in Bahrain vor Chaos, sollte der Iran Gebühren für die Durchfahrt erheben. Internationale Wasserwege gehörten keinem Staat; das Prinzip sei grundlegend für die heutige Welt. Der Oman stellte klar, dass die zukünftigen Regelungen keine Transitgebühren vorsähen. Das Rahmenabkommen zwischen USA und Iran sehe vor, dass während 60-tägiger Verhandlungen keine Gebühren erhoben werden. Danach soll der Iran mit dem Oman unter Beachtung des Völkerrechts verhandeln. Die neu gegründete Persian Gulf Strait Authority deutete jedoch an, dass Teheran langfristig Gebühren für Sicherheit, Umweltdienstleistungen und Versicherungen erheben will.
Hisbollah sieht Niederlage für USA und Israel
Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz wertet die Rahmenvereinbarung zwischen Teheran und Washington als Niederlage für die USA und Israel. Hisbollah-Chef Naim Kassem sagte in einer Fernsehansprache zum Aschura-Fest, die beiden Länder hätten versucht, „unsere Existenz zu vernichten. Wir konnten diese Aggression stoppen und einen großen Sieg erringen.“ Die Vereinbarung sei „eine offizielle Erklärung der Niederlage Amerikas und Israels“. Kassem lehnte Verhandlungen mit Israel ab und forderte einen bedingungslosen Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon. Ein israelischer Regierungssprecher erklärte dagegen, solange die Hisbollah eine Bedrohung sei und nicht entwaffnet werde, würden die Streitkräfte im Süden des Libanon präsent bleiben.
Verhandlungen zwischen Libanon und Israel verlängert
Die in Washington stattfindenden Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon über ein Kriegsende wurden um mindestens einen Tag verlängert. Eigentlich sollte die fünfte Runde am Donnerstag enden. Das US-Außenministerium kündigte an, die Gespräche würden am Freitag fortgesetzt. Israelische und libanesische Stellen wiesen zugleich US-Angaben über einen Teilabzug israelischer Truppen aus dem besetzten Südlibanon zurück. Frankreich und Italien wollen eine multinationale Koalition zur Ablösung der UN-Friedenstruppe Unifil organisieren, deren Mandat im Dezember ausläuft. Präsident Macron erklärte, die Mission solle verhindern, dass der Libanon zur Ausgangsbasis für eine regionale Eskalation werde.



