Mindestens 330 Kinder sind seit Jahresbeginn im Sudan getötet worden, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef in einem neuen Bericht mitteilt. Die meisten Opfer stammen erneut aus den besonders vom Krieg betroffenen Bundesstaaten Darfur und Nordkordofan. Die betroffenen Kinder waren zwischen zwei Monaten und 17 Jahren alt.
Drohnenangriffe als Hauptursache
Besorgniserregend ist die Lage in Obeid, dem Hauptort von Nordkordofan. Die Stadt, ein wichtiger Knotenpunkt für Geflüchtete und humanitäre Hilfe, verzeichnet eine deutliche Zunahme von Angriffen. Seit Mai wurden dort mehr als 18 Kinder getötet und mehr als 17 verletzt. Rund 60 Prozent dieser Opfer gehen auf Drohnenangriffe zurück, so Unicef.
„Kinder geraten in einen unaufhörlichen Kreislauf aus Gewalt, Vertreibung und Not“, sagte Sheldon Yett, Unicef-Leiter im Sudan. „Für viele Kinder gibt es keinen sicheren Ort mehr. Sie werden in ihren Häusern, auf den Straßen, auf Märkten und beim Versuch, Schulen und Gesundheitszentren zu erreichen, getötet oder verletzt. Kinder dürfen niemals Ziel von Angriffen sein. Ihr Leben, ihre Rechte und ihre Zukunft müssen geschützt werden.“
Bilanz seit Kriegsausbruch
Seit Beginn des Krieges im April 2023 wurden laut Unicef mindestens 5000 Kinder getötet oder verstümmelt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Im Sudan kämpfen die sudanesische Armee unter Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft. Der Konflikt hat zur größten humanitären Krise der Welt geführt: Über ein Fünftel der 50 Millionen Sudanesen ist auf der Flucht, die meisten als Binnenvertriebene. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen.
Aktuelle Angriffe
Erst am Dienstag meldeten Aktivisten, dass bei Drohnenangriffen in der südlichen Region Nordkordofan 15 Zivilisten getötet wurden. Die Menschenrechtsgruppe Emergency Lawyers berichtete von zwei Angriffen: Am Montag wurde ein Fahrzeug mit Hochzeitsgästen getroffen, am Dienstagmorgen ein Fahrzeug, das Wasser transportierte. Die Gruppe machte keine Angaben zur Urheberschaft der Angriffe. Die Informationen konnten nicht unabhängig überprüft werden. Weder das sudanesische Militär noch die RSF äußerten sich zunächst.
Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, die humanitäre Hilfe zu verstärken und auf ein Ende der Kämpfe zu drängen.



