Der Kreml verschärft den Druck auf Telegram: Russland hat den Gründer des Messengers, Pawel Durow, international zur Fahndung ausgeschrieben. Die Vorwürfe der russischen Justiz und des Inlandsgeheimdienstes FSB wiegen schwer – Durow soll Terrorismus unterstützt haben. Im Falle einer Verhaftung in Russland droht dem 40-jährigen Tech-Milliardär lebenslange Haft. Durows Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Er veröffentlichte auf seinem Telegram-Kanal ein Foto, auf dem er Kreml-Chef Wladimir Putin den Stinkefinger zeigt.
Die Vorwürfe gegen Durow
Die russischen Behörden werfen Durow vor, auf Telegram Kanäle, Chats und Bots nicht gelöscht zu haben, die von ukrainischen Geheimdiensten sowie terroristischen und extremistischen Organisationen für Sabotage- und Terrorakte genutzt worden seien. Der FSB behauptet zudem, die Ukraine setze einen Dating-Chatbot auf Telegram ein, um junge Russen für Brandanschläge und andere Sabotageaktionen anzuwerben. Seit Juli 2025 seien insgesamt 46 Nutzer im Alter zwischen 12 und 22 Jahren festgenommen worden.
Durows Verteidigung und die Motive Moskaus
Durow weist die Vorwürfe entschieden zurück. Bereits im Februar dieses Jahres hatte er erklärt, die russischen Behörden führten ein Verfahren wegen angeblicher Beihilfe zum Terrorismus gegen ihn. Er sieht darin einen Vorwand, um Telegram stärker zu kontrollieren und die Privatsphäre der Nutzer einzuschränken. Tatsächlich verschärft Moskau seit dem Überfall auf die Ukraine die Kontrolle über das Internet. Facebook, Instagram und X wurden bereits verboten, Youtube ausgebremst, und verschlüsselte Messenger wie Signal sind blockiert. Parallel versucht der Kreml, die Bevölkerung auf den staatlich geförderten Messenger „Max“ zu locken, bei dem die Behörden die Nachrichten mitlesen können – Nutzerdaten werden auf Anfrage weitergegeben.
Durows Lebenssituation
Durow lebt in Dubai und besitzt neben dem russischen Pass auch die französische Staatsbürgerschaft sowie die der Vereinigten Arabischen Emirate. Ob die internationale Fahndung konkrete Auswirkungen haben wird, bleibt abzuwarten.



