Kolumbianer im Ukraine-Krieg: Geld und Überzeugung als Motive
Kolumbianer im Ukraine-Krieg: Geld und Überzeugung

Im Ukraine-Krieg kämpfen Tausende Kolumbianer auf Seiten der ukrainischen Streitkräfte. Viele von ihnen waren zuvor Soldaten oder Polizisten in ihrer Heimat und hoffen auf einen deutlich höheren Sold. Andere geben Solidarität mit der Ukraine oder den Wunsch, wieder als Soldat zu dienen, als Grund an. FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen traf vier kolumbianische Soldaten der 31. Mechanisierten Brigade an der Front in der Region Dnipro. Sie erzählten, warum sie fast 10.000 Kilometer gereist sind, wie sie den modernen Drohnenkrieg erleben und weshalb die Realität ihre Erwartungen noch übertroffen hat.

Warum kämpfen Kolumbianer für die Ukraine?

Die vier Männer, die aus Sicherheitsgründen nur unter ihren Funknamen Sombras, Logotor, Coco und Dominic auftreten, erklären ihre Beweggründe. „Wir kämpfen für Gerechtigkeit, aber auch, weil das Geld in Kolumbien nicht reicht“, sagt einer von ihnen. Der Sold der ukrainischen Armee ist für kolumbianische Verhältnisse attraktiv: Während ein Polizist in Kolumbien umgerechnet etwa 400 Euro im Monat verdient, erhalten ausländische Kämpfer in der Ukraine nach Angaben von Experten zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Hinzu kommen Prämien für besondere Einsätze. „Es geht nicht nur ums Geld, aber es spielt eine große Rolle“, ergänzt ein anderer.

Die Realität an der Front: Drohnenkrieg und Kälte

Die Soldaten berichten von der Härte des Krieges. „Es war schlimmer, als wir dachten“, sagt Logotor. Der Drohnenkrieg sei allgegenwärtig. Ständig surrten Aufklärungs- und Kampfdrohnen über ihren Stellungen. „Man kann sich nirgendwo sicher fühlen. Die Drohnen sehen alles.“ Auch die Kälte im Winter setze ihnen zu. „Die Winter in Kolumbien sind mild. Hier friert man bis auf die Knochen“, so Coco. Verwundungen gehören zum Alltag. Zwei der Männer wurden bereits verletzt, kämpfen aber weiter.

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Die Rolle der Kolumbianer in der ukrainischen Armee

Ein Bataillonsvertreter der 31. Mechanisierten Brigade betont die Bedeutung der südamerikanischen Kämpfer. „Sie sind erfahrene Soldaten, viele haben in Kolumbien Dschungelkampf und Guerillabekämpfung gelernt. Das ist hier an der Front sehr wertvoll.“ Nationalität spiele auf dem Schlachtfeld keine Rolle. „Wichtig ist, dass man sein Gewehr bedienen kann und bereit ist, zu kämpfen. Herkunft ist zweitrangig.“ Die Sprachbarriere werde durch einfache Kommandos und Zeichen überbrückt. „Wenn es drauf ankommt, versteht man sich auch ohne Worte.“

Wenn Kolumbianer auf Kolumbianer treffen

Auch Russland rekrutiert Söldner aus Kolumbien. Auf die Frage, wie sie darauf reagieren, sagen die Soldaten: „Auf dem Schlachtfeld sind sie Feinde, egal woher sie kommen. Wir kämpfen für die Ukraine, sie für Russland. Das löscht jede Verbundenheit.“ Sie berichten von einem Gefecht, bei dem sie vermutlich auf Landsleute trafen. „Man denkt nicht darüber nach. Es gilt, zu überleben.“

Psychische und körperliche Belastung

Die Männer sprechen offen über die psychischen Folgen des Krieges. „Die Angst ist immer da, aber man gewöhnt sich daran“, sagt Dominic. Der Krieg hinterlasse Spuren. „Man sieht Dinge, die man nie vergisst.“ Auch das Thema Suizid wird erwähnt. Die Telefonseelsorge bietet Hilfe für Betroffene. „Wir haben schon Kameraden verloren – nicht nur durch Feindeinwirkung.“ Der Einsatz habe sie stärker geprägt, als sie es sich je vorstellen konnten. „Man wird härter, aber verliert auch etwas Menschlichkeit“, so Sombras.

Die Kolumbianer sind bereit, bis zum Ende zu kämpfen. „Wir sind gekommen, um zu helfen. Solange die Ukraine uns braucht, bleiben wir.“

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