Ein Jahr nach seiner Verurteilung wegen des Mordes an vier Studenten im US-Bundesstaat Idaho zieht Bryan Kohberger sein Schuldeingeständnis zurück. In einer Stellungnahme gegenüber der New York Times aus dem Gefängnis erklärte der 30-Jährige, sein Geständnis habe auf „falschen Versprechen und eklatanten Falschinformationen“ beruht. Er habe einen Antrag auf Wiedereröffnung des Verfahrens eingereicht und fordert einen neuen Prozess.
Hintergrund der Tat und Geständnis
Der Fall erschütterte die USA im November 2022. Die vier Opfer – Xana Kernodle (20), Kaylee Goncalves (21), Madison Mogen (21) und Ethan Chapin (20) – wurden in ihrem Wohnhaus in Moscow, Idaho, erstochen. Die Ermittler fanden eine Messerscheide mit der DNA des damaligen Kriminologie-Doktoranden. Zudem loggte sich Kohbergers Handy in den Monaten vor der Tat mehr als 20 Mal, meist nachts, in einer Funkzelle nahe dem Tatort ein. Bei Durchsuchungen seiner Wohnung und seines Büros stellten die Behörden fest, dass diese gründlich gereinigt waren; sein Auto war nahezu komplett zerlegt.
Kohberger hatte sich ursprünglich schuldig bekannt, um der Todesstrafe zu entgehen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung angeboten. Der Vater eines Opfers kritisierte den Deal öffentlich: „Die Behörden hätten versagt“, sagte er. „Meine Tochter hätte Gerechtigkeit verdient, nicht einen Deal, der den Mörder vor der Todesstrafe bewahrt.“
Widerruf des Geständnisses
In seinem aktuellen Antrag behauptet Kohberger, er sei zu dem Geständnis gedrängt worden. „Meine Entscheidung basierte auf falschen Versprechen der Staatsanwaltschaft und eklatanten Falschinformationen über die Beweislage“, so der Verurteilte. Er zeigte sich unbeeindruckt von der Möglichkeit, dass ihm in einem neuen Verfahren die Todesstrafe drohen könnte. Zu den konkreten Beweisen – wie der DNA-Spur und den Handydaten – wollte er sich nicht äußern.
Die vier Opfer schliefen zum Zeitpunkt des Angriffs, wie Autopsien ergaben. Sie wiesen Abwehrverletzungen auf und wurden jeweils mit mehreren Stichen getötet. Der Fall hatte damals landesweit für Entsetzen gesorgt, auch weil Kohberger als Doktorand der Kriminologie an der Washington State University studierte und seine Kenntnisse möglicherweise für die Tat genutzt hatte.
Rechtliche Schritte und Ausblick
Kohbergers Antrag muss nun von einem Richter geprüft werden. Sollte diesem stattgegeben werden, könnte ein neuer Prozess anstehen, in dem die Todesstrafe wieder auf dem Tisch läge. Die Opferfamilien reagierten gespalten: Während einige den Widerruf als weiteren Schmerz empfinden, sehen andere darin die Chance auf eine vollständige Aufklärung. Der Prozess würde dann voraussichtlich die umfangreichen Beweise der Staatsanwaltschaft erneut in den Fokus rücken, darunter die DNA-Spur und die Handyortungsdaten, die Kohberger mit dem Tatort verbinden.
Der Fall bleibt damit auch Jahre nach der Tat ein emotionales und juristisches Drama, das die US-Öffentlichkeit weiter beschäftigt.



