Bundesbank: Irankrieg bremst deutsches Wachstum bis 2028
Bundesbank: Irankrieg bremst Wachstum bis 2028

Bundesbank erwartet nur langsame Erholung

Die Bundesbank hat ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Grund sind die anhaltenden Folgen des Irankriegs. Erst 2028 sei wieder mit einem spürbaren Wachstum zu rechnen, teilte die Notenbank am Freitag in ihrer halbjährlichen Prognose mit.

Ohne die expansiven staatlichen Mehrausgaben wäre die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr sogar in eine vorübergehende Rezession gerutscht. „Im Sommerhalbjahr wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung durch die expansive Fiskalpolitik verhindert: Sie gleicht die Folgen des Krieges im Nahen Osten in etwa aus“, heißt es in dem Bericht.

Wachstumszahlen im Detail

Die Bundesbank rechnet für 2026 mit einem Anstieg des unbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 Prozent. Im kommenden Jahr soll das Wachstum auf 0,9 Prozent anziehen, für 2028 wird ein Plus von 1,2 Prozent erwartet. Bereinigt um die Zahl der Arbeitstage ergibt sich für 2026 ein Wachstum von 0,5 Prozent, das 2027 auf 0,8 Prozent steigen soll.

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Bundesbankpräsident Joachim Nagel zeigte sich vorsichtig optimistisch: „In unserem Prognosezeitraum bis 2028 gewinnt die Konjunktur wieder an Fahrt. Gestützt wird die Erholung durch wieder sinkende Energiepreise, eine anziehende Weltwirtschaft und vor allem durch kräftige Impulse von der Fiskalpolitik.“

Belastungen für Unternehmen und Verbraucher

Allerdings spüren Firmen und Verbraucher weiterhin die negativen Effekte des Irankriegs. „Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben“, betonte Nagel. Neben teurer Energie bereiten zunehmende Lieferengpässe und eine schwächere Nachfrage den Unternehmen Probleme. Auch die hohe Unsicherheit und gestiegene Zinsen belasten die privaten Investitionen.

Die Auswirkungen des Irankriegs sollen jedoch bis 2028 allmählich nachlassen. Die Bundesbank-Ökonomen gehen davon aus, dass die Ölpreise wieder deutlich sinken werden.

Inflationsentwicklung

Die Inflation in Deutschland wird in diesem Jahr nach dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) voraussichtlich auf 2,9 Prozent steigen. 2027 soll die Teuerung leicht auf 2,7 Prozent sinken, bevor sie 2028 auf 1,9 Prozent fällt. „Es dauert, bis sich die höheren Energiepreise vollständig in den Lebenshaltungskosten niederschlagen – direkt über höhere Energiekosten und indirekt etwa über steigende Transportkosten“, erklärte Nagel.

Sollten die Energiepreise aufgrund der Entwicklungen im Nahen Osten noch stärker steigen als angenommen, könnte dies die Inflation zusätzlich anheizen und die Konjunktur erheblich dämpfen. In einem Risikoszenario der Bundesbank könnten sich die Wachstumsverluste beim BIP bis 2028 auf rund zwei Prozentpunkte summieren. „Damit würde die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr kaum mehr wachsen und im nächsten Jahr sogar wieder schrumpfen“, warnte Nagel. In diesem Fall könnte die Inflation 2027 auf über fünf Prozent steigen.

Staatsfinanzen unter Druck

Die staatliche Defizit- und Schuldenquote wird laut Bundesbank deutlich steigen. „Ursache sind nicht nur zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und nicht-militärische Investitionen“, so die Notenbank. Hinzu kämen Steuerentlastungen und Transfers. Insgesamt werde die staatliche Defizitquote 2028 bei rund 4,9 Prozent liegen, die Maastricht-Schuldenquote auf fast 70 Prozent steigen.

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