Kriegsende im Iran beflügelt Hoffnung auf Wirtschaftswende
Kriegsende im Iran: Hoffnung auf Wirtschaftswende

Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war für die seit Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft die jüngste Hiobsbotschaft. Nun könnte ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran eine Trendwende einleiten. Viele dornige Themen müssen noch ausgehandelt werden, doch ein mögliches Kriegsende ist in Sicht. Damit dürfte der Nachschub von Rohöl, Flüssiggas und Dünger aus dem Golf rasch wieder anlaufen, die Preise könnten mittelfristig fallen – was die Konjunktur stützen sollte.

Erste Reaktionen an den Märkten

Die Börsen in Asien feiern die Einigung bereits, der Ölpreis gab deutlich nach. US-Präsident Donald Trump zeigte sich optimistisch und erklärte mit Blick auf die Blockade des Öltransports durch die Straße von Hormus: „Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!“

Die Krise infolge des Iran-Kriegs hatte Deutschland kalt erwischt: Neben höheren Preisen, die vielen Haushalten zu schaffen machen, machte sich in der Industrie neuerlicher Materialmangel bemerkbar. In der Folge halbierten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen.

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Auswirkungen auf die Konjunktur

Wie dürfte sich ein Ende des Kriegs auf die Wirtschaft auswirken? Nach Experten-Einschätzung dürfte sie profitieren, aber nicht sofort. „Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur“, sagt der Ökonom Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut. „Zunächst würden die Weltmarktpreise für Rohöl und Erdgas sinken, wodurch die Inflationsraten unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren würde.“

Der Ökonom Sebastian Dullien von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sagte, ohne weitere Energiepreissprünge sei in Deutschland im Gesamtjahr eine Inflationsrate von 2,5 Prozent realistisch. „Niedrigere Inflation bedeutet mehr Kaufkraft bei den Menschen in Deutschland“, erläuterte er. Der Konsum könne wieder anziehen, was der Wirtschaft nütze.

Sinken würden nach Wollmershäusers Einschätzung auch die Kapitalmarkt- und Kreditzinsen, da weitere Erhöhungen der Leitzinsen ausbleiben würden. Doch wäre der Effekt voraussichtlich kein sofortiger. „Die Ausweitung des Angebots an Rohöl, Erdgas und damit verbundenen Vorprodukten aus der Region des Persischen Golfs auf das Vorkriegsniveau wird wohl noch etwas dauern, da einige Produktionsstätten offenbar beschädigt sind“, sagt Wollmershäuser. „Daher werden die Energiepreise wohl nicht unmittelbar auf das Vorkriegsniveau sinken und die Lieferkettenprobleme könnten noch etwas andauern.“

Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung bei der Inflation und auf den Ölmärkten. Selbst wenn die Meerenge von Hormus wieder befahrbar sein sollte, werde es Monate dauern, bis sich das Ölangebot normalisiert, sagte Nagel in Frankfurt. Der Preisdruck in der Wirtschaft könne zudem nochmals steigen, wenn fiskalpolitische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise ausliefen. In Deutschland endet Ende Juni der Tankrabatt, der die Inflation gedämpft hatte.

Entwicklung der Benzinpreise

Für die Bundesregierung zog vor allem der rasante Anstieg der Spritpreise politischen Ärger nach sich. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die staatliche Eingriffe eigentlich ablehnte, geriet unter Druck und stimmte schließlich Entlastungsmaßnahmen für Autofahrer zu, die etliche Ökonomen für wenig sinnvoll halten. Seit 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, am 1. Mai folgte der bis Ende Juni befristete Tankrabatt von knapp 17 Cent pro Liter.

„Wenn ein Ende des Nahostkriegs dazu führt, dass die Straße von Hormus wieder frei befahrbar ist und Öltransporte dort reibungslos laufen können, dürfte auch der Ölpreis schrittweise nachgeben“, sagt ein Sprecher des ADAC in München. Bis sich jedoch wieder stabile Abläufe entlang der Lieferketten einstellten, werde einige Zeit vergehen. „Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg sind daher nicht zu erwarten, zumal auch Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann.“

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Schiffsverkehr in der Straße von Hormus

Der internationale Schifffahrtsverband Bimco bewertet die Sicherheitslage in der Straße von Hormus trotz des Abkommens weiter als instabil. Eine Durchfahrt ist dem Verband zufolge nach wie vor sehr riskant. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder sitzen noch 46 Schiffe deutscher Reedereien mit rund 1.000 Seeleuten im Persischen Golf fest.

Die US-Regierung und viele Experten gehen davon aus, dass der Iran die Straße von Hormus teilweise vermint hat. Wie viele Sprengsätze dort tatsächlich lauern, ist nicht bekannt – aber allein die Angst vor Minen reicht, um die Schifffahrt lahmzulegen. Daher ist zunächst ein Einsatz zur Minenräumung nötig, für den unter anderem europäische Staaten schon Vorbereitungen getroffen haben. Erst nach dessen Abschluss wäre eine Rückkehr zum Normalbetrieb von vor dem Krieg wieder denkbar.

In der Zwischenzeit könnte etwa das US-Militär seine Bemühungen verstärken, Schiffe durch die Meerenge zu lotsen. Ein weiteres Problem ist, dass viele Schiffe nach viereinhalb Monaten Iran-Krieg schlicht am falschen Ort sind: Hunderte sitzen noch im Persischen Golf fest, viele fahren inzwischen auf anderen Routen. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb, mit rund 100 bis 150 Schiffen in der Meerenge pro Tag, dürfte noch eine Weile dauern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Einigung zwischen den USA und Iran tatsächlich hält und es nicht zu neuen Kampfhandlungen kommt.

Wiederherstellung der Lieferketten

Wie lange es dauert, bis Lieferketten wieder funktionieren, hängt nicht nur vom Ende des Iran-Kriegs und dem Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ab, sondern auch von einem mittlerweile weitgehend aus den Schlagzeilen verschwundenen Konflikt: „Aus globaler Perspektive ist der bedeutendere Faktor (für die Containerschifffahrt) nicht die Hormuskrise, sondern die Krise im Roten Meer“, meint der dänische Schifffahrtsexperte und -berater Lars Jensen.

Denn die meisten internationalen Reedereien lassen ihre Containerschiffe schon seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 nicht mehr auf dem kürzesten Seeweg von Ostasien nach Europa durch Rotes Meer und Suezkanal fahren, sondern auf der viel weiteren Route um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas.

Im Roten Meer bedrohen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Schifffahrt. Da die Umrundung Afrikas einen Umweg von vielen tausend Seemeilen und bis zu zwei Wochen längere Fahrtzeiten bedeutet, sind die Kapazitäten in der Schifffahrt knapp, die Preise hoch. „Eine Lösung der Hormuskrise könnte auch die Bühne für eine mögliche Lösung der Krise im Roten Meer bereiten“, sagt Jensen. „Das wiederum würde Schiffskapazität in großem Umfang freisetzen und eine Wende am Markt vom derzeitigen Kapazitätsmangel zum Überangebot nach sich ziehen.“

Reaktion der Börsen

Einen Sektor der Weltwirtschaft hat der Iran-Krieg bislang nicht sehr gestört: die internationalen Börsen. In den USA steht der S&P500 – der Leitindex der 500 größten börsennotierten Unternehmen – höher als vor Kriegsbeginn. Der Frankfurter Dax wurde stärker in Mitleidenschaft gezogen und verlor von Ende Februar bis Ende März fast 3.000 Punkte. Doch seither ging es mit einigen Ausschlägen wieder deutlich aufwärts.

Sollte der Krieg nun tatsächlich enden, wäre eine nachhaltige Erleichterung auch an den Finanzmärkten die Folge. Nach Auffassung der DZ-Bank-Analystin Birgit Henseler sind an der Frankfurter Börse vor allem die großen Industriekonzerne Wachstumstreiber. Neben der Entwicklung rund um den Boom Künstlicher Intelligenz profitierten die deutschen Großunternehmen weiter vom milliardenschweren Fiskalpaket der Bundesregierung.

Konjunkturausblick

Die deutsche Wirtschaft hätte dank des 500-Milliarden-Euro-Schuldenpakets der Bundesregierung in diesem Jahr eigentlich moderat wachsen sollen. Nach Beginn des Iran-Kriegs halbierte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose auf nur noch 0,5 Prozent. Auch die Aussichten für 2027 sind verhalten. Die Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent.

Doch abgesehen vom Iran-Krieg leidet die deutsche Wirtschaft an grundlegenden strukturellen Problemen, wie sowohl Unternehmen als auch Ökonomen seit Jahren kritisieren: steigende Sozialabgaben, hohe Energiepreise und zu viel Bürokratie. Sollte sich daran nichts ändern, ist ein Ende der Stagnation nach Einschätzung vieler Ökonomen nicht in Sicht.