1860 München meldet Insolvenz an: Ismaik wird als Letzter bedient
1860 München insolvent: Ismaik als Letzter bedient

Der Traditionsverein TSV 1860 München hat für seine Lizenzspieler-Abteilung (KGaA) Insolvenz anmelden müssen. Die Löwen sind pleite! Ab jetzt hat nur noch der vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter das Sagen, der als „Super-Geschäftsführer“ agiert. Seine Ziele: Versuch der Sanierung (unwahrscheinlich) und Geld für die Gläubiger auftreiben.

Insolvenzmasse und Gläubiger

Der Kassenbestand der KGaA beläuft sich auf geschätzt rund 4 Millionen Euro. Die KGaA besitzt nicht einmal die Merchandising-Rechte – diese liegen bei der TSV 1860 Merchandising GmbH, die Investor Hasan Ismaik (48) gehört. Trainingsgelände und Stadion gehören der Stadt.

Zu den größten Gläubigern zählen neben den Dauerkartenkäufern auch der FC Bayern München. Seit 2017 stehen nach BILD-Informationen noch rund 850.000 Euro aus – Geld, das die Löwen den Bayern seit dem Auszug aus der Allianz-Arena schulden und erst mit Rückkehr in die 2. Liga fällig gewesen wäre. Zwei ausländische Vereine können ausstehende Ansprüche von 2017 geltend machen: Rosenborg Trondheim (Christian Gytkjaer) und der FC Porto (Abdoulaye Ba). Hinzu kommen die beiden Ex-Geschäftsführer Oliver Müller und Dr. Christian Werner (rund 1 Million Euro zusammen). Der e.V. hat rund 800.000 Euro zu fordern, da der Servicevertrag für den Unterhalt des Nachwuchsleistungszentrums vier Jahre lang nicht gezahlt wurde. Auch Krankenkassen und Rentenversicherung haben Ansprüche.

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Die größten Ansprüche hat Investor Hasan Ismaik. Als Mehrheitsgesellschafter hat er seine Darlehen jedoch mit Rangrücktritt eingelegt – das deutsche Gesellschafterrecht regelt, dass er als Letzter aus der Masse bedient wird. Realistisch ist, dass die Gläubiger maximal zehn Prozent ihrer Ansprüche erhalten.

Zahlungen und Haftung

Spieler können sofort bei anderen Vereinen oder bei der vom Verein neu gegründeten GmbH unterschreiben. Bei den Mitarbeitern der Geschäftsstelle entscheidet sich, ob die Insolvenzgeldvorfinanzierung greift – abhängig von den Fortführungsaussichten. Diese kommt maximal für drei Monate vom Arbeitsamt, sodass der Steuerzahler für die Löwen aufkommt.

Gesellschafter Hasan Ismaik und der Verein haften nicht mit ihrem Privat- bzw. Vereinsvermögen – genau dafür gibt es die Ausgliederung in KGaA oder GmbH. Bei Nachweis einer bewusst herbeigeführten Insolvenz oder Unregelmäßigkeiten wie Geldwäsche könnten jedoch strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Zukunft und Training

Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens gibt es zwei Möglichkeiten: Sanierung (Fortbestand der KGaA) oder Auflösung nach Liquidation. Das Training läuft normal weiter, die Spieler sind versichert. Der Insolvenzverwalter wird versuchen, Spieler mit bis 1. Juli gültigen Verträgen bestmöglich zu veräußern, um die Insolvenzmasse zu erhöhen. Mögliche Kandidaten: Samuel Althaus, Lasse Fassmann und Xaver Kiefersauer. Die Aussicht auf Erfolg ist gering, da interessierte Vereine bis Juli warten und die dann vertragslosen Spieler ohne Ablöse verpflichten können.

Am Sonntag testet die Mannschaft von Trainer Alper Kayabunar beim Bayernligisten FC Schwaig. Wer aufläuft, ist offen – die U17, die an den e.V. angegliedert ist und in der DFB-Nachwuchsliga spielt, könnte übernehmen. Auch eine Absage ist denkbar. Die Löwen haben bereits beim Bayerischen Fußball-Verband um Verlegung des ersten Spieltags gebeten, da in der Regionalliga Bayern mit 19 Mannschaften ohnehin immer einer spielfrei hat. Auch das erste Heimspiel soll erst am 3. Spieltag Anfang August stattfinden, um Zeit für die neue GmbH zu gewinnen, Spieler und Sponsoren zu finden sowie Ticketeinnahmen durch Dauerkartenverkäufe zu generieren.

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