Aktivrente: Wer profitiert wirklich von der Steuerfreiheit?
Aktivrente: Wer profitiert wirklich?

Die Aktivrente soll Rentner zum Weiterarbeiten bewegen, indem sie die ersten 2000 Euro des Gehalts steuerfrei stellt. Doch die Subvention kommt vor allem Gutverdienern zugute, die den Anreiz gar nicht brauchen. Das zeigt ein genauer Blick auf die Wirkung der Regelung.

Was die Aktivrente verspricht

Seit ihrer Einführung können Ruheständler bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Die Idee: Angesichts des Fachkräftemangels sollen erfahrene Arbeitnehmer länger im Beruf bleiben. Viele Firmen suchen händeringend Personal, während die Babyboomer in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig sind viele mit 66 oder 67 noch fit und motiviert.

Wer wirklich profitiert

Eine Bekannte der Autorin, viele Jahre in leitender Position, bezieht volle Rente und weiterhin volles Gehalt. Dank der Aktivrente sind nun die ersten 2000 Euro steuerfrei. Sie lacht – und die Autorin gibt zu: „Ich hätte es wohl genauso gemacht.“ Doch die Frage ist: Wen soll die Aktivrente eigentlich bewegen?

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Verkäuferin, die nach Renteneintritt zwei Tage pro Woche arbeitet? Den Handwerker mit Rückenproblemen? Die frühere Pflegekraft? Für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen machen ein paar hundert Euro mehr im Monat einen echten Unterschied – sie finanzieren nicht die nächste Kreuzfahrt, sondern die Stromrechnung oder die Autoreparatur. Genau bei ihnen könnte ein finanzieller Anreiz etwas verändern.

Spitzenverdiener brauchen keinen Anreiz

Anders bei Spitzenverdienern: Wer auch nach Rentenalter noch 7000, 8000 oder 9000 Euro im Monat verdient, arbeitet kaum wegen der steuerfreien 2000 Euro weiter. Sie tun es aus Freude am Beruf, wegen ihrer gefragten Erfahrung oder aus Angst vor Bedeutungslosigkeit. Die Bekannte der Autorin gehört in diese Gruppe – und sie macht nichts falsch. Sie nimmt nur in Anspruch, was die Politik anbietet.

„Die Frage lautet auch nicht, warum sie das Steuergeschenk annimmt. Die Frage lautet, warum der Staat es ihr gibt“, schreibt die Autorin. Dabei hat der Staat keinen Euro zu verschenken – er hat Schulden. Doch die Politik liebt die Gießkanne: Bei steigenden Energiepreisen wird breit entlastet, bei Heizkosten breit gefördert. Auch superreiche Eltern erhalten staatliche Unterstützung. Und wenn Menschen belohnt werden sollen, die länger arbeiten, dann eben auch die Topverdiener – sofern sie Angestellte sind.

Förderung muss zielgenau sein

So fließt Steuergeld an Menschen, die den Anreiz gar nicht brauchen. Dabei sollte genau das der Maßstab sein: Eine Förderung ist kein Geschenk, sondern soll zu einer Entscheidung bewegen, die ohne Anreiz nicht getroffen würde. Die Verkäuferin und der Spitzenverdiener stehen nicht vor derselben Entscheidung – warum behandelt der Staat sie dann gleich? Die Aktivrente verfehlt ihr Ziel, wenn sie vor allem jene belohnt, die ohnehin weiterarbeiten würden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration