Berlin – Deutschlands Arbeitsmarkt gerät unter Druck wie seit der Corona-Krise nicht mehr. Die Unternehmen planen wieder deutlich mehr Stellenabbau als Neueinstellungen. Das zeigt das aktuelle Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts: Der Indikator fiel im April auf 91,3 Punkte, nach 93,4 im März. Das bedeutet: Unternehmen stellen weniger ein und bauen häufiger Stellen ab.
Geopolitische Unsicherheit belastet Personalplanungen
„Die geopolitische Unsicherheit greift auf die Personalplanungen der Unternehmen über“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Es werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut.“ Vor allem der Konflikt im Nahen Osten belastet die Wirtschaft. Hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten setzen viele Unternehmen unter Druck.
Stellenabbau zieht sich durch die ganze Wirtschaft
Besonders angespannt bleibt die Lage in der Industrie. Dort hat sich das Barometer weiter verschlechtert. Doch längst trifft es nicht mehr nur einzelne Branchen. „Kaum eine Branche bleibt vom Arbeitsplatzabbau verschont“, betonte das Ifo-Institut. Auch im Groß- und Einzelhandel werden Jobs abgebaut. Bei den Dienstleistern ist der Indikator eingebrochen, auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Corona-Krise. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sind die gestiegenen Kosten infolge des Iran-Kriegs. Vor allem in der Logistikbranche schlagen die hohen Kraftstoffpreise inzwischen auf die Personalplanung durch. Auch der Tourismus ist betroffen.
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. „Eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt ist erst zu erwarten, wenn die Unsicherheiten deutlich nachlassen“, sagte Wohlrabe.
Arbeitskosten deutlich über EU-Niveau
Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts liegen die Arbeitskosten in Deutschland rund 29 Prozent über dem EU-Schnitt. Für viele Unternehmen wird Personal damit zunehmend zum Kostenfaktor.
Wirtschaft auf Corona-Tief
Parallel verschlechtert sich auch die Stimmung in der Wirtschaft insgesamt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im April auf 84,4 Punkte, nach 86,3 im März – ebenfalls der niedrigste Stand seit Mai 2020. „Die Iran-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Viele Unternehmen reagieren bereits: Sie besetzen offene Stellen nicht mehr oder bauen Personal ab. Der deutsche Arbeitsmarkt steht damit vor einer neuen Belastungsprobe.



