Armutsrente droht: Jeder Zweite im Osten betroffen
Armutsrente: Jeder Zweite im Osten betroffen

Laut Daten, die der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch beim Bundessozialministerium und Statistischen Bundesamt angefragt hatte, steuern Millionen Beschäftigte in Deutschland mit ihrem aktuellen Verdienst rechnerisch auf eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze zu. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt 2025 bei 1446 Euro brutto monatlich. Um diesen Betrag aus der gesetzlichen Rente zu erreichen, ist ein Bruttomonatsentgelt von 3771 Euro erforderlich – bei 45 Beitragsjahren in Vollzeit.

Ostdeutschland besonders betroffen

In Ostdeutschland liegt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit einem Einkommen unter 3700 Euro brutto bei 54 Prozent, während es bundesweit 39 Prozent sind. Unter 3900 Euro verdienen im Osten fast 60 Prozent, im Westen 44 Prozent. Bartsch betonte: „Die Schieflage bei Löhnen und Renten ist inakzeptabel groß. Leistung zahlt sich zu selten aus.“

Modellrechnung mit Einschränkungen

Das Bundessozialministerium wies darauf hin, dass es sich um eine „abstrakte Modellrechnung“ handele, die ein über 45 Jahre konstantes Lohnverhältnis unterstelle. Tatsächlich könne aus der Lohnhöhe eines Jahres nicht auf die Einkommenssituation im Alter geschlossen werden. Dennoch zeigen die Zahlen eine strukturelle Schieflage: Viele Beschäftigte erreichen nicht das nötige Einkommen, um später eine Rente oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze zu beziehen.

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Bartsch kritisiert Koalitionspläne

Bartsch kritisierte insbesondere die Pläne der Koalition, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Er nannte dies einen „harten Angriff auf alle Arbeitnehmer“. Bereits heute würden Millionen Beschäftigte zu wenig verdienen. Er forderte eine Lohnoffensive: „Unser Land sollte wieder zum Hochlohnland werden – Arbeit muss sich auszahlen.“

Die Daten basieren auf der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts vom April 2025. Die Armutsgefährdungsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Die Anfrage von Bartsch zeigt, dass bundesweit mehr als jeder dritte Vollzeitbeschäftigte rechnerisch von einer Rente unterhalb dieser Schwelle bedroht ist, im Osten sogar mehr als jeder zweite.

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