Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis warnen in einem gemeinsamen Gastbeitrag vor den Folgen des aktuellen EU-Emissionshandels für die europäische Industrie. Ohne eine zügige Reform drohe die Abwanderung weiterer Unternehmen, was Arbeitsplätze und Wohlstand gefährde.
Historische Herausforderung für Europas Industrie
Europa stehe vor einer historischen Herausforderung: Die Klimaziele müssten erreicht werden, ohne die industrielle Basis zu gefährden. Der Emissionshandel (ETS I) für CO2-Ausstoß von Fabriken und Kraftwerken sei ein zentrales Instrument, doch die zugrundeliegenden Annahmen stammten aus einer Zeit ohne multiple Krisen und tägliche, kaum prognostizierbare Herausforderungen.
Steigende Energiepreise und fehlende Infrastruktur
Die Autoren verweisen auf steigende Energiepreise, politische Verwerfungen und tektonische Verschiebungen im Welthandel. Gleichzeitig fehle es an der notwendigen Infrastruktur für eine klimagerechte Modernisierung der heimischen Industrie. Besonders problematisch sei, dass andere Weltregionen wie die USA, China oder Indien keine vergleichbaren Kostenbelastungen durch CO2-Zertifikate kennen. Europa gehe diesen Weg weitgehend allein.
Chemieunternehmen wandern bereits ab
Die Folgen seien bereits sichtbar, vor allem in der chemischen Industrie. Anlagen würden stillgelegt, Investitionen verschoben und Produktion verlagert – und mit ihnen die Arbeitsplätze. Lies und Vassiliadis fordern daher eine schnelle Reform des Emissionshandels, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu sichern und die Transformation zu ermöglichen.



