Bahn-Tarifverhandlungen am Scheideweg: GDL prüft Angebot mit 6 Prozent mehr Geld
Bahn-Tarifgespräche am Scheideweg: GDL prüft Angebot

Bahn-Tarifverhandlungen am kritischen Punkt nach erstem Angebot

Die aktuellen Tarifgespräche bei der Deutschen Bahn befinden sich nach dem ersten Angebot des Konzerns an die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) an einem entscheidenden Wendepunkt. Seit über einem Monat laufen die Verhandlungen, und nun hat die Bahn ihre erste Offerte vorgelegt, die von der GDL jedoch als unzureichend bewertet wird.

GDL-Chef Reiß äußert sich skeptisch zu weiteren Gesprächen

Mario Reiß, der Vorsitzende der GDL, zeigte sich in Berlin äußerst zurückhaltend bezüglich der Fortsetzung der Verhandlungen. „Ich kann heute noch nicht sagen, inwieweit wir morgen wieder hier am selben Ort uns zusammenfinden“, erklärte er während der vierten Gesprächsrunde, die eigentlich bis Freitag angesetzt ist.

Reiß betonte, dass ein Scheitern der Verhandlungen derzeit nicht ausgeschlossen werden könne, „weil das Angebot so niederschwellig ist, dass unsere Kollegen natürlich erst mal das verdauen müssen“. Dennoch hoffe er, die eigenen Gremien von weiteren Gesprächen überzeugen zu können, da bis Ende Februar noch Spielraum für eine Einigung bestehe.

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Details des Bahn-Angebots: 6 Prozent mehr Geld in 30 Monaten

Das vorgelegte Angebot der Deutschen Bahn umfasst insgesamt 6 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, aufgeteilt in mehrere Komponenten:

  • Eine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent in zwei Schritten: 2 Prozent ab 1. September dieses Jahres und 1,8 Prozent ein Jahr später.
  • Weitere 2,2 Prozent durch Strukturanpassungen im Tarifsystem, einschließlich einer neuen Entgeltstufe und gezielter Erhöhungen für operative Mitarbeiter.
  • Eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro.
  • Neue Vorschläge zum Tarifeinheitsgesetz.
  • Eine Laufzeit von 30 Monaten.

Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn, bezeichnete das Angebot als „gut und sehr weitreichend“ und betonte, dass Kernforderungen der GDL berücksichtigt seien, um ein klares Signal für weitere Verhandlungen zu senden.

GDL-Forderungen und mögliche Eskalation

Die GDL fordert hingegen 8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von nur 12 Monaten, wovon 3,8 Prozent durch direkte Entgelterhöhungen erreicht werden sollen. Die restlichen Erhöhungen plant die Gewerkschaft über Umstrukturierungen im Tarifsystem.

Reiß kritisierte das Bahn-Angebot als deutlich zu niedrig und wies insbesondere auf die lange Laufzeit von zweieinhalb Jahren hin, die die prozentuale Erhöhung relativiere. „Auf dem Papier mag das zunächst nach Bewegung aussehen“, so Reiß, „aber entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung“.

Derzeit prüft die GDL mit ihren Gremien das weitere Vorgehen. Obwohl Streiks aufgrund einer Friedenspflicht bis Ende Februar nicht möglich sind, könnte die Gewerkschaft bereits jetzt eine Urabstimmung über unbefristete Arbeitskämpfe einleiten. Bei entsprechenden Mehrheiten wären ab März Streiks möglich, die den Bahnverkehr in Deutschland erheblich beeinträchtigen könnten. Für kürzere Warnstreiks ab März benötigt die GDL keine Urabstimmung.

Die Situation bleibt angespannt, und die nächsten Tage werden zeigen, ob die Verhandlungen fortgesetzt werden können oder ob eine Eskalation unvermeidlich ist.

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