Goldene Zeiten vorbei: Bekannte Toast-Marke schließt deutsches Werk
Bekannte Toast-Marke schließt deutsches Werk in Essen

Bittere Nachricht für die Region und viele Toast-Fans: Die Traditions-Großbäckerei Lieken macht ihr Werk in Essen-Borbeck dicht. Fast 120 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. An dem Standort wurde unter anderem der bekannte „Golden Toast“ produziert.

Schock für die Belegschaft

Am Freitag, den 8. Mai, wurde die Belegschaft kurzfristig zusammengerufen und darüber informiert, dass das Werk zum 31. Dezember 2026 schließen soll. Der Toast aus Essen findet sich in unzähligen deutschen Küchen wieder – doch damit ist bald Schluss. Die Produktion wird auf andere Standorte verteilt. Für die Kunden soll es ihn zwar weiterhin zu kaufen geben, die Jobs fallen jedoch weg.

Gründe für die Schließung

Das Unternehmen spricht von „anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ und einem „stagnierenden bis leicht rückläufigen Markt“ bei Toast und Sandwiches. Dazu kämen laut einer Sprecherin stark gestiegene Kosten für Energie, Betrieb und Instandhaltung sowie ein hoher Investitionsbedarf. Für die Mitarbeiter ist die Nachricht ein Schock. NGG-Regionalgeschäftsführer Martin Mura berichtet: „Viele haben auf dem Parkplatz geweint, wissen nicht weiter.“ Besonders hart: Viele Beschäftigte seien seit mehreren Jahrzehnten im Betrieb und hätten sich stark mit der Marke beziehungsweise dem Produkt identifiziert.

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Kritik der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert die Pläne „mit aller Schärfe“. Vor allem der Zeitpunkt sorgt für Ärger: Im Werk gibt es aktuell keinen Betriebsrat, erst im nächsten Monat soll einer gewählt werden. Mura wirft dem Management um Dr. Christian Hörger „soziale Instinktlosigkeit“ vor. Die Kündigungen seien ohne Vorwarnung verkündet worden. Er fordert, alle Fakten offenzulegen: wirtschaftliche Hintergründe, Zeitplan, Alternativen und konkrete Folgen für die Belegschaft. Lieken kündigte an, in den nächsten Tagen Gespräche mit den Betroffenen zu führen und Abfindungen anzubieten.

Krise in der Lebensmittel-Industrie

Die Schließung reiht sich in eine Serie schlechter Nachrichten für Nordrhein-Westfalen ein: Die Insolvenzen sind auf Rekordniveau. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Warsteiner-Gruppe Standorte verändern will. Rund 220 Arbeitsplätze sind dort betroffen. Für Essen ist klar: Ein Stück Industriegeschichte endet – und viele Existenzen stehen vor einer ungewissen Zukunft.

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