Studie: Ehegattensplitting bremst berufliche Rückkehr von Frauen über 45
Ehegattensplitting bremst Frauen über 45 bei Rückkehr in Job

Finanzielle Hürden für Frauen über 45: Studie offenbart Systemfehler

Für zahlreiche Frauen ab 45 Jahren erweist sich die Rückkehr in den Arbeitsmarkt oder die Ausweitung von Teilzeitbeschäftigung als finanziell kaum lohnend. Dies belegt eine aktuelle repräsentative Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die 3.788 Frauen zwischen 45 und 66 Jahren befragt hat. Die Untersuchung macht deutlich, dass strukturelle Hürden insbesondere das Ehegattensplitting als zentralen Bremsklotz identifizieren.

Detaillierte Studienergebnisse zeigen klare Tendenzen

Im vergangenen Sommer wurden insgesamt 3.877 Frauen in der relevanten Altersgruppe befragt, darunter 1.567 nicht erwerbstätige Personen. Von den 2.221 erwerbstätigen Frauen arbeiteten 792 Befragte in Teilzeit mit weniger als 30 Wochenstunden. Die Auswertung ergab alarmierende Zahlen: Etwa die Hälfte der befragten Teilzeitbeschäftigten gab an, dass sich eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit finanziell nicht rentieren würde. Unter den Nichterwerbstätigen erklärte rund ein Drittel, dass Erwerbstätigkeit sich für sie nicht auszahle.

Das Ehegattensplitting wirkt hier als entscheidender Hemmschuh, wie die Studie detailliert darlegt. Bei dieser steuerlichen Regelung wird das Einkommen beider Ehepartner gemeinsam veranlagt, was sich besonders lohnt, wenn ein Partner – in der Regel die Frau – deutlich weniger verdient. Erweitert jedoch die Frau ihre Arbeitszeit, schrumpft der Splittingvorteil erheblich, sodass von ihrem Mehrverdienst netto nur wenig übrig bleibt.

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Potenzial für Arbeitsmarkt und notwendige Reformen

Die Bertelsmann Stiftung mahnt deutlich bessere finanzielle Anreize an. Eine Reform des Ehegattensplittings könnte allein in der Altersgruppe der 45- bis 66-Jährigen unter dem Strich rund 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzen. „Zudem würde der Anteil schlecht abgesicherter Minijobs zugunsten sozialversicherungspflichtiger Voll- oder Teilzeitbeschäftigung zurückgehen“, heißt es in der Stellungnahme aus Gütersloh.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist zwar auf inzwischen gut 75 Prozent gestiegen, allerdings bleibt der Anteil von Teilzeitbeschäftigten außerordentlich hoch. Viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit während der Kinderphase, um Sorgearbeit zu übernehmen, und verharren danach in Teilzeit, häufig im Minijob. Mehr Netto vom Brutto, eine gleichmäßigere Aufteilung der Sorgearbeit und verbesserte Arbeitsbedingungen werden von Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann als „entscheidende Treiber in Richtung Vollzeiterwerbstätigkeit“ benannt.

Die Studie unterstreicht damit nicht nur individuelle finanzielle Kalküle, sondern zeigt systemische Schwachstellen auf, die einer vollständigen beruflichen Integration von Frauen im mittleren und höheren Alter entgegenstehen.

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