Wolfsburgs Kapitän Christian Eriksen steht mit seinem Team kurz vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Am Sonntag gastiert der VfL beim SC Freiburg und darf sich keine Niederlage erlauben. Im Gespräch mit BILD spricht der 34-jährige Däne über den Druck im Abstiegskampf, seinen Herzstillstand im Jahr 2021 und seine Vorliebe für Currywurst.
Die schwierige Saison und der Kampf um den Klassenerhalt
Auf die Frage, ob er Kevin Großkreutz kenne, der sich einen Wolfsburger Abstieg wünscht, antwortet Eriksen: „Ja, wieso?“ Er betont: „Es mag Leute geben, die keinen Bezug zu Wolfsburg haben, aber wir und unsere Fans möchten in der Bundesliga bleiben.“ Die Saison sei eine Achterbahnfahrt gewesen, doch zuletzt habe man Punkte gesammelt und das Selbstvertrauen gestärkt. Nun müsse man das Momentum in den letzten drei Spielen nutzen.
Die Gründe für die katastrophale Spielzeit sieht Eriksen in ausgebliebenen Ergebnissen, zu vielen Gegentoren und zahlreichen personellen Veränderungen im Klub. „Wir hatten nicht das Glück und waren in einigen Situationen auch nicht gut genug“, so der Däne.
Trainerwechsel und persönliche Entwicklung
Mit Dieter Hecking ist bereits der dritte Trainer in dieser Saison verantwortlich. Eriksen hat dies noch nie erlebt: „Drei in einer Saison – noch nie. Wir hatten drei unterschiedliche Ansätze, viele neue Gesichter. Es war wie ein Déjà-vu.“
Der Abstiegskampf beeinflusst auch sein Privatleben. Früher habe er alle Probleme mit nach Hause genommen, aber heute lenken ihn seine Kinder ab. „Nach verlorenen Spielen hatte ich Tränen in den Augen. Ich glaube, ich war nur müde, aber Niederlagen machen etwas mit einem.“
Wechsel nach Wolfsburg kein Fehler
Trotz der schwierigen Lage bereut Eriksen seinen Wechsel nicht: „Nein, es war kein Fehler. Ich spiele fast immer und war dadurch bei der Nationalmannschaft. Ich kann die Minuten auf dem Platz genießen, auch wenn der Blick auf die Tabelle nicht schön ist.“
Der erfahrene Profi, der in Holland, Italien und England Meister oder Pokalsieger wurde, vergleicht den Abstiegskampf mit Titelrennen: „Eigentlich ist es dasselbe. Der Klassenerhalt wäre für mich wie ein Titelgewinn. Es gibt keine Schale, aber es fühlt sich wie ein Titel an.“
Die Erfahrung des Herzstillstands
Bei der EM 2021 erlitt Eriksen einen Herzstillstand auf dem Platz. Diese Erfahrung hilft ihm, Druck anders wahrzunehmen: „Natürlich geht es im Fußball um viel, aber der Druck erdrückt mich nicht.“ An den 12. Juni 2021 erinnert er sich als „neue Situation, eine neue Welt“. Einen zweiten Geburtstag feiert er nicht: „Es ist ein normaler Tag.“
Familie und Alltag in Wolfsburg
Seine Frau Sabrina, die damals live dabei war, kann heute wieder Spiele im Stadion sehen – mehr möchte Eriksen dazu nicht sagen. Die Familie lebt mit ihm in Wolfsburg, und ihnen gefällt es dort. „Ich bin ein Familienmensch und liebe es, sie bei mir zu haben.“
Auf die Frage nach Harry Kane, seinem ehemaligen Teamkollegen bei Tottenham, sagt Eriksen: „Die Bayern spielen eine grandiose Saison, aber die Punkte gegen uns brauchen sie nicht mehr. Vielleicht legen sie nach dem Champions-League-Spiel eine kleine Pause ein.“ Kane zeichne sich durch seine Konzentration und seinen starken Abschluss aus: „Neun von zehn Torchancen macht er rein.“
Typisch Deutsch: Currywurst und Sprache
Nach acht Monaten in Wolfsburg ist Eriksens Deutsch „okay“, aber sein Englisch sei besser. „Ich finde, deutsche Speisen haben lustige Namen.“ Typisch deutsch sei für ihn Currywurst: „Ich mag sie. Nach den Spielen gönne ich mir auch mal eine.“
Zukunft und Nationalmannschaft
Die verpasste WM-Teilnahme mit Dänemark schmerzt sehr: „Ich gehe davon aus, dass ich keine WM mehr spielen werde. Der Schmerz wird stark sein, wenn die WM im Fernsehen läuft.“ Sein Ziel ist die EM 2026 in England. Mit 40 möchte er nicht mehr spielen: „Ich werde vorher aufhören. Solange ich mich frisch fühle, mache ich weiter. Mein Vertrag in Wolfsburg läuft noch ein Jahr.“



