Fachkräftemangel: Kommunen fehlen Bauamtsleiter für Infrastruktur-Sanierung
Fachkräftemangel: Kommunen fehlen Bauamtsleiter

Fachkräftemangel in Bauämtern: Kommunen scheitern bei der Besetzung von Leitungspositionen

Berlin. Die Infrastruktur in Deutschland ist in einem schlechten Zustand. Viele Schulen, Straßen und Kitas müssen dringend saniert werden. Doch die Instandsetzung kommt nur langsam voran. Ein Grund dafür ist der Mangel an Bauamtsleitern in den Kommunen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat in einer exklusiven Erhebung festgestellt, dass die Kommunen immer größere Schwierigkeiten haben, vakante Leitungspositionen in ihren Bauämtern zu besetzen. Die Studie wertete Stellenanzeigen von 2019 bis 2025 aus. In diesem Zeitraum wurden fast 800 verschiedene Bauamtsleitungen ausgeschrieben. Im Jahr 2025 waren es mit 124 Amtsleitungen mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, aber etwa 40 weniger als 2023.

Fehlende Finanzmittel verschärfen die Lage

Die Kommunen sind für den Großteil der öffentlichen Infrastruktur verantwortlich, insbesondere für Gebäude. Doch sie leiden unter einer unzureichenden Finanzausstattung. Laut einer Erhebung der KfW fehlten den Kommunen im vergangenen Jahr mehr als 215 Milliarden Euro, um ihre Infrastruktur wieder in einen angemessenen Zustand zu versetzen. Diese Summe ist im Vergleich zu 2024 um knapp 30 Milliarden Euro gestiegen, was einem Zuwachs von rund 16 Prozent entspricht. Die Rekrutierungsschwierigkeiten zeigen sich auch darin, dass viele Kommunen dieselbe Stelle mehrfach ausschreiben mussten. 124 Kommunen inserierten eine Bauleiterstelle mindestens zweimal, 33 sogar dreimal oder häufiger.

Baby-Boomer gehen in Rente

Das IW macht den Renteneintritt der Baby-Boomer für den Anstieg der vakanten Bauamtsleitungen verantwortlich. Die verfügbaren Daten zur Altersstruktur der Bauingenieure im öffentlichen Dienst deuten auf eine Pensionierungswelle hin, die auch die Amtsleitungen betrifft. Die Kommunen suchen für diese Positionen insbesondere ausgebildete Bauingenieure mit Leitungserfahrung, Verhandlungsgeschick und Kenntnissen im Bau- und Verwaltungsrecht. Der Kandidatenkreis ist dadurch stark eingeschränkt. Bei fast der Hälfte aller Ausschreibungen wird ein Bachelorabschluss als Mindestanforderung genannt. Hoch qualifizierte Bauingenieure sind auf dem Arbeitsmarkt jedoch Mangelware. „Der Arbeitsmarkt für Bauingenieure und insbesondere für solche mit Leitungserfahrung ist heutzutage praktisch geräumt“, urteilt das IW.

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Gehaltsunterschiede zur Privatwirtschaft

Die Kommunen konkurrieren mit der Privatwirtschaft um die wenigen Fachkräfte, können aber oft nur schlechtere Gehälter bieten. Typischerweise wird in den Kommunen eine Vergütung nach den Stufen E11 oder E12 angeboten, also zwischen 4270 und 6900 Euro. Das Gehalt variiert jedoch mit der Größe des Amts. Ländliche Gemeinden bieten meist weniger als kreisfreie Städte oder städtisch geprägte Kreise. 2024 und 2025 entfielen durchschnittlich 55 Prozent der Ausschreibungen auf ländliche Kreise. Ein Vergleich mit Daten des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zeigt, dass Ingenieure in vergleichbaren Führungspositionen der Privatwirtschaft meist höhere Gehälter erzielen. Auf Teamleiterebene liegt die Spanne bei 64.000 bis 88.000 Euro pro Jahr, auf Abteilungsleiterebene bei 72.000 bis 101.000 Euro. Demgegenüber bewegt sich die in den Stellenausschreibungen häufige Entgeltgruppe E12 in einer Spanne von 53.000 bis 83.000 Euro. Zudem ist die Vergütung im öffentlichen Dienst an ein starres Stufensystem gebunden, das kaum individuelle Leistungsdifferenzierung zulässt.

Aussichten für die Infrastruktur

Ein genauer Vergleich mit der Privatwirtschaft ist laut IW schwierig, aber es spricht vieles dafür, dass dort bei vergleichbarer Leitungsspanne deutlich mehr gezahlt wird. Attraktive Benefits wie Firmenwagen oder Boni werden fast ausschließlich in der Privatwirtschaft angeboten. Das IW urteilt: „Es ist somit davon auszugehen, dass die vonseiten der Kommunen angebotene Vergütung nur bedingt konkurrenzfähig ist.“ Das Fazit des Instituts fällt wenig hoffnungsvoll aus: „Wenn selbst an der Spitze die Neubesetzung schwierig wird, dann spricht vieles dafür, dass die Probleme auf den anderen Ebenen noch schwieriger sind. Ein Personalaufbau wird hieran tendenziell scheitern.“ Damit wird auch die rasche Instandsetzung der maroden kommunalen Infrastruktur wohl noch lange auf sich warten lassen.

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