Die deutsche Stahlindustrie steckt in einer tiefen Krise. Nun will die IG Metall Druck auf die Bundesregierung ausüben und ruft zu einer Großkundgebung in Berlin auf. Für diesen Freitag, den 12. Juni, werden tausende Beschäftigte aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet, die vom Brandenburger Tor zum Bundeswirtschaftsministerium ziehen wollen.
Hintergrund der Proteste
Die Stahlbranche leidet unter mehreren Problemen: Die Nachfrage aus der Autoindustrie ist eingebrochen, die Energiepreise sind hoch, Billigimporte aus China setzen die heimischen Produzenten unter Druck, und die Kosten für die Umstellung auf eine klimafreundlichere Produktion belasten die Unternehmen zusätzlich. Hinzu kommen hohe US-Zölle auf Stahlimporte. Im vergangenen Jahr fiel die Produktion auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl – der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2009.
Forderungen an die Politik
Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betonte: „Die Politik hat in den vergangenen Monaten auf unseren Druck hin einiges für die Stahlindustrie getan. Sie darf jetzt nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Sie muss ihre Versprechen erfüllen.“ Die Gewerkschaft fordert unter anderem einen dauerhaft niedrigen Industriestrompreis und wirksame Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte.
Prominente Unterstützung
An der Kundgebung werden neben IG-Metall-Vertretern auch die Parteichefs von Grünen und Linken, Felix Banaszak und Ines Schwerdtner, teilnehmen. Zudem werden Betriebsratsvorsitzende und Arbeitsdirektoren aus der Stahlbranche sprechen.
Bisherige Maßnahmen der Regierung
Die Bundesregierung hatte bereits im November zu einem Stahlgipfel im Kanzleramt eingeladen und einen Industriestrompreis auf den Weg gebracht, um energieintensive Branchen zu entlasten. Auch die EU hat reagiert: Sie einigte sich im April darauf, die zollfreie Einfuhrmenge fast zu halbieren und weitere Importe mit einem Strafzoll von 50 Prozent zu belegen.
Trotz dieser Schritte sieht die IG Metall weiteren Handlungsbedarf. Der Stahlkonzern Thyssenkrupp Steel Europe hat eine harte Sanierung beschlossen und will rund 11.000 Stellen streichen oder auslagern – ein deutliches Zeichen für die Dramatik der Lage.



