Frauen im Handwerk: Vorbilder zeigen, wo der Hammer hängt
Frauen im Handwerk: Vorbilder zeigen wo der Hammer hängt

Frauen im Handwerk: Vorbilder zeigen, wo der Hammer hängt

Während das deutsche Handwerk über akuten Nachwuchsmangel klagt – im vergangenen Jahr blieben laut Zentralverband knapp 20 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt – zeichnet sich ein ermutigender Gegentrend ab: Immer mehr Frauen entdecken klassische Männerdomänen für sich. Mittlerweile sind mehr als 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk weiblich, und jede vierte Betriebsführung liegt in Frauenhand oder wird mitverantwortet.

Technischer Fortschritt erleichtert den Einstieg

„Die einzige Person, die mir sagen darf, dass ich etwas nicht kann, bin ich selbst“, lautet das Credo von Katja Lilu Melder, die als „Miss Handwerk 2025“ und Vorsitzende des Bundesverbands „UnternehmerFrauen im Handwerk“ Vorreiterin ist. Technische Erneuerungen machen körperliche Herausforderungen leichter bewältigbar: Kräne, Maschinen und moderne Werkzeuge kompensieren reine Muskelkraft. Etwa ein Sechstel der erfolgreichen Meisterprüfungen wird mittlerweile von Frauen absolviert.

Fünf Porträts außergewöhnlicher Handwerkerinnen

Katja Lilu Melder (43) aus Hamm ist Metallbau-, Beton- und Abbruchtechnikmeisterin sowie Sprengmeisterin. Als Chefin eines Unternehmens für Schadstoffsanierung mit 35 Beschäftigten und Instagram-Star mit 33.400 Followern setzt sie sich für Mutterschutz für Selbstständige ein und kämpft gegen veraltete Rollenbilder.

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Julia Schäfer (32) aus Kraichtal in Baden-Württemberg ist Deutschlands bekannteste Handwerks-Influencerin. Die Maurer- und Betonbaumeisterin erreicht auf Instagram als „Tschulique“ 1,1 Millionen Follower und beweist täglich, dass Handwerk glücklich macht. Ihre Videos auf TikTok verzeichnen teilweise über 20 Millionen Views.

Sandra Hunke (33) aus Schlangen in Ostwestfalen arbeitet als Anlagenmechaniker-Gesellin und hat mit ihrem Buch „Ich zeig euch, wo der Hammer hängt!“ die Spiegel-Bestsellerliste erreicht. Die Mutter einer zweijährigen Tochter baut aktuell ein Sechs-Parteienhaus – ausschließlich mit weiblichen Fachkräften.

Cindy Speich (30) aus Schmalkalden in Thüringen verwandelte Hasskommentare in Social-Media-Erfolg. Die gelernte Friseurin dokumentierte die Sanierung ihres Hauses und erreicht heute eine Million Follower. „Ich mache aus Scheiße Gold“, beschreibt sie ihre Strategie, Herablassung mit Humor zu kontern.

Jessica Jörges (28) aus Dreieich in Niedersachsen ist Maler- und Lackiermeisterin in der fünften Generation. Die fünftbeste Malerin der Welt gewann zahlreiche Wettbewerbe und beweist: Handwerk bietet internationale Karrierechancen.

Influencerinnen als neue Vorbilder

Die fünf Frauen eint mehr als ihr Handwerk: Sie nutzen Social Media, um Vorurteile zu widerlegen und junge Menschen für handwerkliche Berufe zu begeistern. Während klassische Werbung oft ins Leere läuft, erreichen ihre authentischen Einblicke Millionen. „Es fehlen Vorbilder“, betont Katja Lilu Melder. „Wir brauchen Veränderungen – das fängt schon mit der Ansprache an.“

Ihre Botschaft ist klar: Handwerk bietet sichere Zukunftsperspektiven in Zeiten künstlicher Intelligenz, denn KI wird kaum je Bäder fliesen oder Dächer decken. Die steigende Frauenquote beweist, dass traditionelle Geschlechterrollen im Berufsleben zunehmend irrelevant werden – wenn man sich, wie Julia Schäfer sagt, nicht davon abhalten lässt: „Handwerk ist einfach geil.“

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