Die Warenhauskette Galeria kriselt weiter. Für das traditionsreiche frühere Karstadt-Warenhaus in der Brandenburger Straße in Potsdam bedeutet die mögliche Schließung weiterer Standorte erneut Unsicherheit. Schon dreimal stand das Kaufhaus bei drei überstandenen Insolvenzen auf der Schließliste, konnte aber jedes Mal durch Nachverhandlungen zum bestehenden Mietvertrag gerettet werden.
Neuer Kredit von bis zu 160 Millionen Euro
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der angeschlagene Galeria-Konzern einen neuen Kredit in Höhe von bis zu 160 Millionen Euro aufnimmt. Das teilte eine Sprecherin des Konzerns in Düsseldorf mit. Den Kredit stelle die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Abgesichert sei er durch die Ware von Galeria. Voraussetzung für die Zusage sei ein von der Unternehmensberatung Alix Partners erstelltes Gutachten zur wirtschaftlichen Lage von Galeria gewesen.
Gutachten sieht Ausdünnung des Filialnetzes vor
Im Gutachten sei eine Ausdünnung des Filialnetzes vorgesehen. 30 Standorte würden geprüft, hieß es. Ob auch Potsdam zu den Prüfkandidaten zählt, verriet der Konzern nicht. Bisher wurde kein Standort als möglicher Streichkandidat genannt. Der Konzern teilte den Potsdamer Neuesten Nachrichten auf Anfrage mit, dass es zum jetzigen Zeitpunkt „noch kein fertiges Zielbild der Filialstruktur“ gebe. „Vorbehaltlich der Einzelbetrachtungen der Filialen und der intensiven Gespräche mit den Vermietern wird das Filialzielbild zeitnah stehen“, hieß es aus der Konzernleitung. Was in diesem Fall zeitnah bedeutet, ließ Galeria auf Nachfrage offen.
Filialleiterin hält sich bedeckt
Die Potsdamer Filialgeschäftsführerin Gülsiye Bural wollte sich zu den neuen Entwicklungen auf Anfrage nicht äußern. Dazu sei es zu früh. Bereits im April war Galeria in die Schlagzeilen geraten, weil für einzelne Kaufhäuser mehrere Monatsmieten nicht gezahlt worden waren. Darunter befand sich auch das große Galeria-Haus am Berliner Alexanderplatz. Schon damals war erneut von Standortschließungen die Rede. Das Unternehmen begründete die ausbleibenden Mietzahlungen mit Liquiditätsschwankungen und räumte ein, die Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Unklar ist, ob inzwischen alle Mietschulden beglichen wurden. Einige Medien berichten, dass es immer noch Mietrückstände für einzelne Häuser gebe. Gülsiye Bural erklärte: „Ich kann für meinen Standort sagen: ‚Alles gut.‘“
Dreimal gerettet: Die Geschichte des Potsdamer Galeria-Hauses
Das mehrfach ausgedünnte Filialnetz früherer Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser besteht aktuell aus 83 Standorten. Vor zwei Jahren befand sich Galeria nach 2020 und 2022 in der bereits dritten Insolvenz. Damals sollten zunächst 16 Häuser geschlossen werden. Am Ende konnten sieben davon gerettet werden, darunter Galeria in Potsdam. Galeria hatte sich zuvor mit dem Verpächter des Stadtpalais’, der Londoner Immobilien-Investmentverwaltungsgesellschaft Mark Capital Management, auf neue Konditionen geeinigt. Die Einigung war am 12. Juni 2024 per Lautsprecherdurchsage im Kaufhaus zu hören. Die rund 100 Beschäftigten jubelten.
Pläne des früheren Oberbürgermeisters verliefen im Sande
Pläne des früheren Oberbürgermeisters Mike Schubert (SPD) zur Unterstützung einer neuen Struktur im Galeria-Haus verliefen im Sande. Schubert wollte nach dem Vorbild der Filiale in Kassel, die er zuvor besucht hatte, eine Außenstelle des Bürgerservices im Haus unterbringen. Davon ist schon lange nicht mehr die Rede. Die vergangene Insolvenz war auf die Schieflage des früheren Mutterkonzerns Signa zurückzuführen. Nach Beendigung des Insolvenzverfahrens wurden 2024 die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des deutschen Unternehmers Bernd Beetz neue Eigentümer von Galeria. Sie kündigten Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro an. Handelsexperten bezweifelten damals, dass diese Summe ausreiche, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.
Potsdams Filialleiterin sieht positive Veränderungen
Potsdams Filialleiterin Bural, die im vergangenen Jahr den Übergangschef Michael Prause abgelöst hatte, sprach im April von weiteren Veränderungen im Kaufhaus. So kämen neue Marken ins Sortiment, einzelne Abteilungen würden umgebaut. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um das Haus langfristig zu sichern, bleibt angesichts der erneuten Unsicherheit fraglich.



