Führungskräfte-Mangel: Warum die Generation Z Karriere anders definiert
Das ewige Klagen über die angeblich faule Jugend hat längst seine Berechtigung verloren. Zu diesem Schluss kommt auch Wirtschaftsweise Monika Schnitzer, die jüngst die Generation Z verteidigte: "Die Gen Z arbeitet mehr als die Generationen vor ihr." Doch während junge Menschen durchaus engagiert sind, zeigt sich ein bemerkenswerter Trend: Immer weniger streben klassische Führungspositionen an.
Karriere ja – aber nicht um jeden Preis
Statt dem traditionellen "Head of" bevorzugen viele junge Menschen heute eher das Motto "Happy without". Wie Markus Sutera treffend formulierte: "Die Generation Z tritt mit ihren eigenen Vorstellungen in die Arbeitswelt und stellt die Aufstiegsideale ihrer Vorgänger infrage." Arbeit wird zunehmend als Mittel zum Zweck betrachtet, nicht als Lebenssinn an sich.
Diese Beobachtung aus privaten Kreisen wird durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert. Laut der Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung hält weniger als ein Drittel der jungen Beschäftigten in Deutschland Führungspositionen für erstrebenswert. Anstatt jedoch konstruktiv über die Gründe zu diskutieren, verfallen manche Vertreter älterer Generationen oft in pauschales Generationen-Bashing.
Die Gründe für den Führungskräfte-Mangel
Leadership-Professorin Heike Bruch erklärt, warum junge Menschen mitunter bewusst auf klassische Karrierewege verzichten:
- Veränderte Prioritäten zwischen Beruf und Privatleben
- Skepsis gegenüber traditionellen Hierarchiemodellen
- Suche nach sinnstiftender Arbeit jenseits von Status und Titel
- Negative Vorbilder in Führungspositionen
Diese Entwicklung stellt Unternehmen vor ernste Herausforderungen, denn der Nachwuchs für Führungspositionen wird knapp.
Positive Gegenbeispiele: Verantwortung und Privatleben vereint
Trotz des allgemeinen Trends gibt es weiterhin junge Menschen, die sich bewusst für Führungsverantwortung entscheiden – allerdings mit neuen Ansätzen:
- Jakob Schöffel führt die gleichnamige Outdoorfirma in achter Generation mit dem klaren Vorsatz: "Das Unternehmen darf mich nicht kaputtmachen."
- Mina Habsaoui baut bei Siemens Energy Abteilungen auf und setzt auf einen empathischen Führungsstil.
- Kai Lanz, Gründer von Krisenchat, optimiert seine Arbeitshaltung durch Coaching und Meditation.
- Maria Supranowitz verantwortet bei der DHL Group 3500 Mitarbeitende und hört dabei auch auf ihr Bauchgefühl.
Diese Beispiele zeigen, dass beides möglich ist: Verantwortung übernehmen und ein erfülltes Privatleben führen. Sie stehen für einen neuen Führungsstil, der weniger auf Autorität und mehr auf Empathie, Nachhaltigkeit und persönliche Grenzen setzt.
Ausblick: Die Zukunft der Führung
Die Generation Z zwingt Unternehmen zum Umdenken. Traditionelle Karrierepfade verlieren an Attraktivität, während flexible Arbeitsmodelle, Sinnhaftigkeit der Tätigkeit und ausgewogene Work-Life-Balance an Bedeutung gewinnen. Unternehmen, die zukünftig erfolgreich Führungskräfte gewinnen und binden wollen, müssen ihre Strukturen und Werte entsprechend anpassen.
Die gute Nachricht: Es gibt durchaus junge Menschen, die Führungsverantwortung übernehmen wollen – allerdings unter ihren eigenen Bedingungen. Der Wandel in der Arbeitswelt ist im vollen Gange, und die Generation Z gestaltet ihn aktiv mit.



